Wer Eisenstadt kennt, kennt meist den Kern rund um das Schloss Esterházy und die Bergkirche. Kleinhöflein aber liegt etwas abseits davon – und genau das macht diesen Stadtteil so besonders. Das Viertel schmiegt sich an den südlichen Ausläufer des Leithagebirges und trägt noch heute unverkennbar den Charakter eines eigenständigen Weinbaudorfes, das erst im Laufe des 20. Jahrhunderts in die Landeshauptstadt des Burgenlandes eingemeindet wurde. Die Straßen von Kleinhöflein folgen keinem städtischen Raster. Stattdessen schlängeln sie sich zwischen alten Weinhauerhäusern hindurch, vorbei an Kellern, deren schwere Holztüren auf Jahrzehnte, manchmal Jahrhunderte der Weinbautradition hinweisen. Die Kellergassen sind das eigentliche Herzstück des Viertels: Hier lagern lokale Winzer ihre Weine aus Welschriesling, Blaufränkisch und Sankt Laurent, Rebsorten, die auf den kalkhaltigen Böden des Leithagebirges ihren unverwechselbaren Charakter entwickeln. An einem Herbstnachmittag, wenn die Weinlese gerade abgeschlossen ist und die Luft nach frisch gepresstem Most riecht, zeigt Kleinhöflein sein stärkstes Gesicht. Die Heurigenkultur ist hier keine touristische Inszenierung, sondern gelebter Alltag. Buschenschanken öffnen ihre Pforten, Hausgemachtes kommt auf den Tisch, und Gespräche entstehen wie von selbst zwischen Einheimischen und Besuchern, die hierher gefunden haben. Für Wanderer und Radfahrer ist Kleinhöflein ein idealer Ausgangspunkt: Der Naturpark Leithagebirge beginnt praktisch vor der Haustür und bietet markierte Wege durch Eichenwälder und Weingärten mit Ausblicken über das Burgenland bis hin zum Neusiedler See. Wer die Kombination aus Weinkultur, Naturerlebnis und der entspannten Atmosphäre eines Ortes schätzt, der noch nicht von Reisebussen erschlossen wurde, findet in Kleinhöflein eine ehrliche Alternative zum touristischen Zentrum Eisenstadts.
