Wer durch die Neustadt in Sterzing schlendert, bemerkt schnell, dass dieser Stadtteil kein museales Kulissenstück ist, sondern ein lebendiger Ort, an dem Geschichte und Gegenwart auf engstem Raum zusammentreffen. Die charakteristischen Laubengänge – ein Markenzeichen der Südtiroler Stadtarchitektur – ziehen sich entlang der Häuserfronten und spenden im Sommer Schatten, während sie im Winter die Passanten vor Schnee schützen. Unter diesen Bögen reihen sich kleine Geschäfte, Cafés und Handwerksbetriebe aneinander, deren Schaufenster zum Entdecken einladen.
Die Neustadt bildet gemeinsam mit der Altstadt das historische Rückgrat von Sterzing. Besonders eindrucksvoll ist das Stadtbild, wenn die Abendsonne die Fassaden der spätmittelalterlichen Bürgerhäuser in warmes Licht taucht und die Straße nahezu menschenleer wird – ein Moment, der die Jahrhunderte spürbar macht. Das Zwölferturm-Ensemble, das die Stadtsilhouette prägt, ist von der Neustadt aus besonders gut zu erfassen.
Für Reisende, die nicht nur Sehenswürdigkeiten abhaken, sondern das echte Sterzinger Alltagsleben kennenlernen möchten, ist die Neustadt der richtige Ausgangspunkt. Hier kaufen Einheimische ein, hier trifft man sich zum Espresso, hier wird Dialekt gesprochen. Die Gastronomie reicht von traditionellen Gasthäusern, die Südtiroler Hausmannskost servieren, bis hin zu kleinen Bars, in denen der Abend mit einem Glas Lagrein ausklingt.
Architektonisch lohnt sich ein genauer Blick auf die Erker und Fassadenmalereien der Bürgerhäuser, die von einstigem Wohlstand und Handelsgeist zeugen. Sterzing war einst ein bedeutender Durchgangsort am Brenner, und dieser Reichtum hat in der Neustadt seine Spuren hinterlassen. Wer mit offenen Augen durch die Straßen geht, entdeckt Details, die in keinem Reiseführer stehen – ein vergoldetes Wappen hier, ein romanisches Fenster dort.

Zwölferturm
Der 46 Meter hohe Zwölferturm aus dem 15. Jahrhundert markiert den Übergang zwischen Alt- und Neustadt von Sterzing und ist das Wahrzeichen der Fuggerstadt.
46 Meter hoher Stadtturm aus dem späten 15. Jahrhundert