Hoch über Nerja klammert sich Frigiliana an die Ausläufer der Sierra de Almijara, ein Gewirr kalkweißer Gassen, blaugrün glasierter Türgriffe und Geranientöpfe, das regelmäßig zu den schönsten Dörfern Andalusiens gekürt wird. Wer die enge Straße von der Küste hinauffährt, lässt das Strandleben der Costa del Sol hinter sich und taucht in ein Bergdorf ein, das seinen Charakter über die Jahrhunderte bewahrt hat. Das Herz des Ortes ist das Barrio Mudéjar, der maurische Altstadtkern. Hier führen Kopfsteinpflasterstiegen so steil und so schmal bergan, dass viele Häuser nur zu Fuß zu erreichen sind. Weiß getünchte Fassaden, schwere Holztüren, bunte Keramikfliesen und überquellende Blumentöpfe machen jeden Winkel zum Motiv. Glasierte Tafeln entlang der Gassen erzählen vom Aufstand der Morisken im 16. Jahrhundert und der Schlacht am nahen Felsen El Fuerte — Geschichte, die hier nicht im Museum, sondern an der Hauswand steht. Frigiliana ist kein bloßes Postkartendorf. Bis heute wird hier in einer der ältesten Fabriken Europas Zuckerrohrsirup, die Miel de Caña, gekocht — ein dunkler Sirup, der in der lokalen Küche über frittierte Auberginen, die berühmten Berenjenas con miel de caña, gegossen wird. Im Spätsommer feiert das Dorf das Festival de las Tres Culturas, das an das einstige Zusammenleben von Muslimen, Juden und Christen erinnert und die Gassen mit Musik, Märkten und Düften füllt. Hinter dem letzten weißen Haus beginnt unmittelbar der Naturpark Sierras de Tejeda, Almijara y Alhama. Wanderwege führen durch Schluchten und entlang von Quellen hinauf zu Gipfeln, von denen sich an klaren Tagen das Mittelmeer bis zur afrikanischen Küste überblicken lässt. Eine beliebte Route folgt dem Lauf des Río Chíllar. So verbindet Frigiliana auf engem Raum andalusische Dorfromantik, lebendige Tradition und wilde Bergnatur.



