Wer Wien abseits der großen Touristenströme erleben möchte, kommt früher oder später in Mariahilf an. Der sechste Bezirk liegt zwischen dem Naschmarkt im Osten und dem Westbahnhof im Westen, und genau diese Lage prägt seinen Charakter: Hier treffen Wiener Alltagsleben und urbane Kreativität aufeinander, ohne dass irgendjemand dabei besonders viel Aufhebens macht. Das Rückgrat des Viertels ist die Mariahilfer Straße, eine der längsten Einkaufsstraßen Österreichs. Seit ihrer Umgestaltung zur Begegnungszone hat sie sich verändert: Fußgänger und Radfahrer teilen sich den Raum, Straßencafés haben sich ausgebreitet, und der früher etwas hektische Charakter ist einer entspannteren Atmosphäre gewichen. Internationale Modeketten stehen hier neben inhabergeführten Buchläden und kleinen Designstudios. Wer früh morgens durch die Straße schlendert, bevor der Betrieb einsetzt, erlebt die Gründerzeitfassaden in einem ganz anderen Licht – ruhig, fast feierlich. Abseits der großen Achse offenbart Mariahilf seine eigentlichen Qualitäten. Die Gumpendorfer Straße ist das Zentrum der Ausgehszene: Bars, Restaurants und kleine Theater reihen sich aneinander, und an warmen Abenden sitzen die Gäste auf den Gehsteigen, als wäre das schon immer so gewesen. Das Café Ritter und zahlreiche andere Lokale verkörpern jenen Wiener Kaffeehaustypus, der sich nicht verbiegen lässt – keine Hipster-Inszenierung, sondern echte Stammgastkultur. Kulturell hat Mariahilf einiges zu bieten. Das Theater an der Wien, das sich auf Oper und Musiktheater spezialisiert hat, zieht ein anspruchsvolles Publikum an. Wer lieber durch Galerien streift, wird in den Seitengassen fündig. Die Nähe zum Naschmarkt macht den Bezirk auch für Feinschmecker interessant: Samstags verwandelt sich der Bereich rund um den Flohmarkt in einen sozialen Treffpunkt, bei dem das Stöbern nach Vinylplatten und alten Postkarten genauso dazugehört wie ein Glas Wein am Stand. Für Reisende, die in Mariahilf übernachten, ergibt sich ein praktischer Vorteil: Die U-Bahnlinien U3 und U6 erschließen das Viertel hervorragend, sodass die Innere Stadt, das Museumsquartier und der Prater in wenigen Minuten erreichbar sind. Mariahilf ist kein Viertel, das sich aufdrängt – aber wer sich die Zeit nimmt, es zu erkunden, findet eine Wiener Alltagswelt, die authentischer kaum sein könnte.

Haus des Meeres
Ein ehemaliger Flakturm aus dem Zweiten Weltkrieg, heute Heimat von Haien, Piranhas und tropischen Regenwaldbewohnern mitten in Wien.
Haibecken mit Schwarzspitzenriffhaien und Rochen