Das Echerntal beginnt dort, wo Hallstatt aufhört. Kaum hat man das Salzbergdorf hinter sich gelassen und die ersten Schritte auf den Wanderweg gesetzt, schließen sich die Felswände links und rechts, der Lärm der Touristenboote auf dem Hallstätter See verstummt, und was bleibt, ist das dumpfe Rauschen des Waldbach-Strubs – eines der eindrucksvollsten Wasserfälle im Salzkammergut. Das Wasser stürzt hier in mehreren Stufen über bemooste Kalkfelsen, der Gischt trifft das Gesicht auf den ersten Metern des Aufstiegs. Ein Empfang, der keine Erwartungen enttäuscht. Der Weg führt zunächst sanft durch dichten Mischwald, der im Frühsommer nach Harz und feuchtem Moos riecht. Entlang des Echerntals öffnet sich das Gelände immer wieder zu kleinen Lichtungen, von denen aus die Dachstein-Südwand in ihrer ganzen Wucht sichtbar wird. Die Route ist gut markiert und folgt dem Bachlauf bergauf, vorbei an alten Holzbrücken und Rastbänken, die zum kurzen Innehalten einladen. Wer aufmerksam schaut, entdeckt in den Felsnischen die typische Karstvegetation des Dachsteingebirges – Farne, Steinbrech und vereinzelt Türkenbund-Lilien. Nach etwa zwei Dritteln des Weges erreicht man die Simonyhütte als mögliches Zwischenziel, bevor der Pfad weiter zur Gjaidalm führt. Hier oben, auf rund 1.600 Metern, weitet sich der Blick über das gesamte Salzkammergut. Der Hallstätter See liegt tief unten wie ein Spiegel, die Ortschaft Hallstatt wirkt von hier aus wie ein Miniaturmodell an den Fels geklebt. Der Abstieg folgt derselben Route zurück ins Tal – was keineswegs bedeutet, dass er langweilig wäre. Das Licht fällt am Nachmittag anders durch den Wald, der Waldbach-Strub leuchtet in der Abendsonne golden, und die Felswände werfen lange Schatten ins Echerntal.
Das Echerntal ist eine der stillen Routen rund um Hallstatt – ein Weg, der vom Rauschen des Waldbach-Strubs begleitet wird und durch Karstwald und Felspanoramen hinauf zur Gjaidalm führt. Wer hier wandert, erlebt das Dachsteingebirge nicht als Kulisse, sondern als unmittelbare Umgebung.
