Wer Linz wirklich verstehen will, muss die Donau überqueren. Urfahr, der nördliche Stadtteil jenseits des Flusses, war jahrhundertelang eine eigenständige Stadt und hat dieses Selbstbewusstsein bis heute nicht abgelegt. Hier wohnen Studierende neben alteingesessenen Familien, Galerien öffnen sich zwischen Gründerzeitfassaden, und vom Pöstlingberg aus schweift der Blick über ganz Linz – ein Panorama, das man so schnell nicht vergisst. Das Wahrzeichen des Viertels ist zweifellos der Pöstlingberg mit seiner Wallfahrtsbasilika, die hoch über den Dächern thront. Die historische Pöstlingbergbahn, eine der steilsten Straßenbahnen Europas, rattert seit über hundert Jahren den Hang hinauf – eine Fahrt, die mehr Erlebnis als bloßes Transportmittel ist. Oben angekommen erwartet einen neben der Basilika auch der Grottenbahn-Freizeitpark, ein nostalgisches Kleinod, das Generationen von Linzer Kindern geprägt hat. Unten am Donauufer entfaltet sich ein ganz anderes Tempo. Die Linzer Straße ist die pulsierende Hauptader Urfahrs: Cafés, Geschäfte und Wochenmärkte wechseln sich ab, und an warmen Abenden sitzen die Menschen draußen, während drüben die Lichter der Linzer Altstadt im Wasser spiegeln. Der Urfahraner Markt, einer der ältesten Volksmärkte Österreichs, verwandelt das Viertel zweimal im Jahr in ein riesiges Volksfest – im Frühling und im Herbst strömen dann Zehntausende auf das Gelände. Kulturell ist Urfahr ebenfalls gut aufgestellt. Das Lentos Kunstmuseum steht zwar formal auf der Südseite, doch die Kunstszene des Viertels spiegelt sich in kleineren Galerien und Off-Spaces, die sich rund um die Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung gruppieren. Die Kunstuni selbst bringt frisches, kreatives Leben in die Straßen – man merkt es an den Schaufenstern, den Plakatwänden und den Gesprächen in den Kaffeehäusern. Für Reisende, die nicht nur Sehenswürdigkeiten abhaken, sondern eine Stadt wirklich erleben wollen, ist Urfahr eine lohnende Wahl. Hier übernachtet man ruhiger als in der Innenstadt, hat die Donau vor der Tür und den Pöstlingberg buchstäblich vor Augen.

Ars Electronica Center
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