Horta ist die Hauptstadt der Azoren-Insel Faial und einer der eigenwilligsten Hafenorte Europas. Die Stadt liegt am schmalen Sund Canal do Faial, der Faial von der Nachbarinsel Pico trennt – und genau über diesem Wasser erhebt sich der perfekt geformte Vulkankegel des Pico, mit 2.351 Metern der höchste Berg Portugals. An klaren Tagen scheint der Berg über dem Meer zu schweben, und kaum ein anderer Stadtblick auf den Azoren ist so unverwechselbar. Horta verdankt seinen Ruf dem Atlantik. Die Marina ist seit Jahrzehnten der wichtigste Zwischenstopp für Segelcrews, die den Ozean von der Karibik nach Europa überqueren. Daraus ist ein Brauch und ein Aberglaube geworden: Wer hier anlegt, malt ein Bild auf die Kaimauer, um Glück für die Weiterfahrt zu sichern. Über die Jahre hat sich daraus eine riesige Freiluftgalerie aus tausenden Crew-Wappen, Bootsnamen und Wimpeln entwickelt, die sich über die gesamte Mole zieht. Direkt gegenüber liegt das Peter Café Sport, die wohl bekannteste Seglerkneipe des Atlantiks, in der sich Weltumsegler seit Generationen auf einen Gin Tonic und eine Geschichte treffen – im Obergeschoss befindet sich zudem ein kleines Scrimshaw-Museum mit kunstvoll gravierten Walzähnen. Doch Horta ist mehr als sein Hafen. Im Centro Histórico reihen sich Kirchen, herrschaftliche Häuser und Plätze aus der Zeit, als die Stadt ein Knotenpunkt der transatlantischen Telegrafenkabel war. Im Süden liegt Porto Pim mit seiner geschützten Badebucht und dem Monte da Guia, einem bewaldeten Vulkanrücken mit weitem Blick über Stadt und Meer. Und im Inselinneren wartet die Caldeira, ein über zwei Kilometer breiter, grün ausgekleideter Vulkankrater, dessen Rand sich umrunden lässt. Faial trägt nicht umsonst den Beinamen „Ilha Azul“, die blaue Insel – im Sommer säumen Hortensienhecken Straßen und Felder. Wer Horta besucht, spürt schnell, dass dies ein Ort des Ankommens und des Aufbruchs ist: rau, gastfreundlich und vom Ozean geprägt bis ins Mark.



