📍 40.14°N · 3.42°W
Zoom 4 / 5Stadt · in Madrid

◆ STADT · MADRID

Chinchon.
wo eine kreisrunde Plaza zum Esszimmer Kastiliens wird

Knapp fünfzig Kilometer südöstlich von Madrid endet die Hochebene an einem Ort, der wie ein Theaterrund gebaut ist: Chinchón, ein kastilisches Städtchen mit kaum sechstausend Seelen, gruppiert um eine der ungewöhnlichsten Plätze Spaniens. Die Plaza Mayor ist nicht symmetrisch, nicht streng, nicht repräsentativ wie anderswo, sondern unregelmäßig gewachsen, mit 234 grün gestrichenen Holzbalkonen, geschwungenen Arkaden auf hölzernen Pfeilern und gestaffelten Ziegeldächern. Von hier zog seit jeher der Duft von Anis und am Spieß gebratenem Spanferkel durch die Gassen. Wer aus der Hauptstadt kommt, kommt meist zum Essen, zum Trinken, zum Schauen, und bleibt länger als geplant.

Eine Bühne aus Holz und Ziegeln und das lange Gedächtnis eines kastilischen Marktfleckens

Chinchón liegt auf gut 750 Metern Höhe in einer Senke, ringsum Weinberge und Olivenhaine, dazwischen die rötliche Erde der Tajuña-Region. Der Ort wuchs ab dem Mittelalter und fiel 1139 unter Alfons VII. an Kastilien; die ersten Häuser mit Arkaden und Balkonen am späteren Hauptplatz entstanden im 15. Jahrhundert, geschlossen wurde der Ring erst im 17. Auf dieser Plaza Mayor wurde alles abgehalten, was eine kastilische Gemeinde je brauchte: königliche Feste, Verkündigungen, geistliche Spiele, Hinrichtungen und seit 1502 Stierkämpfe. Die grünen Holzgalerien, die claros, dienten dabei als Logen. 1974 wurde das historische Zentrum unter Schutz gestellt.

Über den Dächern stehen drei Wahrzeichen, die die Geschichte des Ortes erzählen. Die Iglesia de Nuestra Señora de la Asunción, nach fast hundertjähriger Bauzeit 1626 vollendet, vereint Gotik, Renaissance und Barock und birgt im Hochaltar ein Gemälde der Mariä Himmelfahrt, das Francisco de Goya um 1812 für seinen Bruder Camilo schuf. Vom Castillo de los Condes, der Burg der Grafen aus dem 16. Jahrhundert, blieben nach den Comuneros-Aufständen und der Plünderung durch napoleonische Truppen nur Mauern; sie ist in Privatbesitz und nicht zugänglich. Und dann ist da die Torre del Reloj, der Uhrturm einer längst verschwundenen Kirche, weshalb man im Ort sagt, Chinchón habe einen Turm ohne Kirche und eine Kirche ohne Turm.

Der Name reichte weiter als der Ort: Eine Gräfin von Chinchón soll im 17. Jahrhundert in Peru das Chinarinden-Extrakt gegen Malaria genutzt haben, weshalb der Baum botanisch Cinchona heißt und das Chinin seinen Beinamen trägt. Auch das Kino fand hierher. Orson Welles drehte 1965 Falstaff (Chimes at Midnight) in Chinchón, mietete sich ein Haus, blieb wochenlang und saß abends mit den Nachbarn beim Glas. Das ehemalige Augustinerkloster San Agustín, Ende des 15. Jahrhunderts gegründet, beherbergt heute den Parador, ein Hotel hinter dicken Klostermauern mit stillem Innenhof, nur ein paar Schritte vom Trubel der Plaza entfernt.

Chinchon

01 · Auf einen Blick

Gut zu wissen.

Lage
Region Madrid, rund 50 km südöstlich der Hauptstadt
Höhe
ca. 750 m über dem Meer, im Tajuña-Becken
Einwohner
knapp 6.000
Anreise
Bus 337 ab Madrid (Conde de Casal), ca. 1 Std. 10 Min.; mit dem Auto über die A-3
Beste Reisezeit
Frühling (April–Juni) und Frühherbst (September–Oktober)
Bekannt für
kreisrunde Plaza Mayor, Anís de Chinchón, gebratenes Spanferkel
Sprache
Spanisch; Zahlung per Karte verbreitet
Tipp
als Tagesausflug ab Madrid, am besten unter der Woche zum Mittagessen

· Entdecken & Buchen

Was es zu buchen gibt.

10
Sehenswürdigkeiten
Wahrzeichen & Museen →
🛏
6
Hotels
Unterkünfte vergleichen →
🍽
6
Restaurants
Tapas bis Sterneküche →
6
Aktivitäten
Touren & Erlebnisse →

03 · Wann

Wann sich die Reise am meisten lohnt zwischen kühlen Frühlingsnächten und der goldenen Glut des Hochsommers

Chinchón hat das kontinentale Klima der kastilischen Hochebene: heiße, trockene Sommer und kalte Winter. Für ein entspanntes Mittagessen auf der Plaza und einen Spaziergang durch die Gassen sind Frühling und Frühherbst am angenehmsten. Wer ein großes Fest erleben will, plant um die Osterwoche oder den August herum.

FrühlingMärz–MaiMildes Wetter, blühende Umgebung und die Karwoche mit der Pasión de Chinchón – dem ältesten Passionsspiel der Region Madrid (seit 1963), bei dem am Karsamstag hunderte Einwohner auf der Plaza Mayor mitspielen.Beste Zeit für Kultur und mildes Wandern
SommerJuni–AugustHeiß und trocken, gegen Mittag sehr sonnig. Höhepunkt sind die Fiestas Patronales zu Ehren der Virgen de Gracia und des heiligen Rochus um den 15./16. August, mit Stiertreiben und Trubel auf der Plaza.Beste Zeit für Volksfeste – Schatten suchen
HerbstSeptember–NovemberAngenehme Temperaturen, Weinlese in der Umgebung und an einem Herbstwochenende der Mercado Medieval, der das Zentrum mit Handwerkern, Musik und Gauklern füllt.Beste Zeit für Wein, Ruhe und gutes Essen
WinterDezember–FebruarKühl bis kalt, ruhige Gassen und volle mesones – die Hochsaison für deftige kastilische Schmorgerichte. Unter der Woche ist der Ort fast menschenleer.Beste Zeit für Genuss ohne Andrang

04 · Häufige Fragen

Was Reisende am häufigsten fragen.

Wie kommt man von Madrid nach Chinchón?

Am einfachsten mit dem Bus der Linie 337 ab dem Busbahnhof Conde de Casal in Madrid; die Fahrt dauert etwa eine Stunde und zehn Minuten. Mit dem Auto erreicht man Chinchón über die A-3 in rund 45 Minuten. Eine direkte Bahnverbindung gibt es nicht.

Ist Chinchón nur ein Tagesausflug oder lohnt sich eine Übernachtung?

Die meisten Gäste kommen als Tagesausflug aus Madrid, vor allem zum Mittagessen. Wer den Ort am Abend und früh am Morgen ohne Tagestouristen erleben möchte, übernachtet im Parador, dem ehemaligen Augustinerkloster, oder in einem der kleinen Häuser im Zentrum.

Wofür ist die Plaza Mayor von Chinchón berühmt?

Für ihre unregelmäßige, fast kreisrunde Form mit Arkaden und 234 grünen Holzbalkonen, den claros. Auf dem Platz fanden über Jahrhunderte Feste, Theater und seit 1502 Stierkämpfe statt; das historische Zentrum steht seit 1974 unter Schutz.

Was sollte man in Chinchón unbedingt essen und trinken?

Die kastilischen Klassiker aus dem Holzofen: cochinillo asado (Spanferkel) und cordero lechal (Milchlamm), dazu Landwein. Als Aperitif oder Digestif gehört der Anís de Chinchón dazu, der hier seit dem 17. Jahrhundert gebrannt wird.

Kann man die Burg und die Kirche besichtigen?

Das Castillo de los Condes ist in Privatbesitz und nicht zu besichtigen, man sieht es nur von außen. Die Iglesia de Nuestra Señora de la Asunción mit Goyas Gemälde der Mariä Himmelfahrt ist dagegen zugänglich; ebenso lohnt der Blick von der Torre del Reloj über die Stadt.

Wann ist die beste Reisezeit für Chinchón?

Frühling (April bis Juni) und Frühherbst (September bis Oktober) bieten das angenehmste Wetter. Wer ein Fest erleben will, kommt zur Karwoche für die Pasión de Chinchón oder Mitte August zu den Fiestas Patronales.

★ Chinchon entdecken

Wir wissen,
wohin Sie passen.

Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Chinchon.

Reise planen →Mit AI sprechen

Karte

Auf der Karte

    travelperfect · Aktualisiert 7. Juni 2026