
◆ STADT · KANTABRIEN
Drei Lügen stecken angeblich im Namen — weder heilig (santa) noch eben (llana) noch am Meer (mar). Was bleibt, ist die schönste Untertreibung Spaniens: eine einzige, vollständig erhaltene mittelalterliche Gasse aus honigfarbenem Sandstein, über der die Romanik der Colegiata thront und in deren Hügel nebenan die ältesten gemalten Bisons Europas schlafen. Jean-Paul Sartre nannte den Ort kurzerhand das hübscheste Dorf Spaniens.

Alles begann mit einer Heiligen und ihren Reliquien. Im 9. Jahrhundert siedelten Mönche rund um das Grab der Märtyrerin Santa Juliana, deren Name sich über die Jahrhunderte zu "Santillana" verschliff. Aus der bescheidenen Klosterzelle wuchs bis ins 12. Jahrhundert die Colegiata de Santa Juliana — ein Schmuckstück kantabrischer Romanik mit einem zwölfsäuligen Kreuzgang, dessen Kapitelle Löwen, Ranken und biblische Szenen tragen. Pilger auf dem nördlichen Jakobsweg kehrten hier ein, der Ort wurde reich, und der Adel baute, was Adel eben baut: Türme und Paläste.
Genau dieser Reichtum konservierte das Dorf. Wer Wappen in Stein meißeln lässt, reißt nicht ab. So reihen sich entlang der Calle Cantón und der Calle del Río bis heute Herrenhäuser des 15. bis 18. Jahrhunderts mit eisernen Balkonen, Familienwappen und schweren Holztoren — die Torre de Don Borja und die Torre del Merino flankieren die Plaza Mayor, offiziell Plaza de Ramón Pelayo. Schon 1889 wurde der Ortskern zum nationalen Kulturdenkmal erklärt; Autos bleiben draußen, das Kopfsteinpflaster gehört den Schritten.
Und dann ist da der Hügel zwei Kilometer entfernt. In der Höhle von Altamira malten Menschen vor rund 36.000 bis 13.000 Jahren Bisons, Hirsche und Wildpferde an die Decke — so kraftvoll, dass man sie die "Sixtinische Kapelle der Steinzeit" nennt. Das Original ist zum Schutz fast vollständig gesperrt; die originalgetreue Neocueva im benachbarten Museum lässt die Bilder dennoch greifbar werden. Santillana del Mar verbindet so zwei Enden der europäischen Kulturgeschichte an einem einzigen Nachmittag.
01 · Auf einen Blick
· Sehenswürdigkeiten
· Aktivitäten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Romanik & Adel
Von der Plaza Mayor mit Torre de Don Borja und Torre del Merino führt die Calle del Cantón sanft bergab zur Colegiata de Santa Juliana. Drinnen lohnt der romanische Kreuzgang mit seinen historisierten Kapitellen; gegenüber zeigt das Museo Diocesano Regina Coeli im einstigen Dominikanerkonvent über 400 Werke sakraler Kunst — Spaniens erstes Diözesanmuseum.
Steinzeit
Zwei Kilometer außerhalb liegt das Nationalmuseum Altamira. Da das Original streng gesperrt ist (nur eine Handvoll Besucher pro Woche per Los), führt die Neocueva als exakte Nachbildung unter die berühmte Deckenmalerei. Die Dauerausstellung "Die Zeiten von Altamira" ordnet Werkzeuge, Jagd und Alltag des Paläolithikums ein.
Genuss
Kantabriens Süßspeisen haben hier ihre Bühne: butterige Sobaos pasiegos, die käsefreie Quesada aus Dicklegmilch und frisch aufgekochte Kuhmilch im Glas. Bei Casa Quevedo an der Calle del Río steht man dafür gern an. Wer herzhaft will, findet Cocido montañés und Anchoas in den Gasthäusern rund um den Parador Gil Blas.
Umland
Santillana ist Etappenort des UNESCO-gelisteten nördlichen Jakobswegs. Die Tagesetappe nach Comillas misst rund 21 Kilometer durch grünes Hügelland und vorbei am Meer; Comillas selbst lockt mit Gaudís "El Capricho". Wer es kürzer mag, nimmt den nahen Tierpark (Zoo de Santillana) gut zwei Kilometer vor dem Ort.
03 · Wann
Kantabrien ist grün, weil es regnet — Niederschlag ist hier ganzjährig möglich, eine leichte Regenjacke gehört immer ins Gepäck. Die Sommer bleiben mild, dafür wird es im Hochsommer eng in den Gassen. Frühling und Frühherbst treffen die beste Balance aus Wetter und Ruhe.
04 · Häufige Fragen
Praktisch nein. Zum Schutz der Malereien wird das Original nur einer winzigen Zahl von Besuchern pro Woche per Losverfahren geöffnet. Reisende sehen stattdessen die Neocueva, eine wissenschaftlich exakte Nachbildung der bemalten Decke im Nationalmuseum Altamira rund zwei Kilometer außerhalb des Dorfes — Tickets am besten vorab online buchen.
Weil der Name jeden seiner drei Bestandteile widerlegt: Santillana ist weder heilig (santa) noch eben (llana) noch liegt es am Meer (mar). Der Name leitet sich tatsächlich von der heiligen Juliana ab, deren Reliquien in der Colegiata ruhen — die Küste beginnt erst einige Kilometer weiter.
Ja, sehr gut. Mit dem Auto sind es rund 30 Minuten, per ALSA- oder La-Cantábrica-Bus etwa 40 Minuten. Für Altstadt, Colegiata und die Altamira-Neocueva sollte man einen halben bis ganzen Tag einplanen; wer auch das Umland und Comillas mitnehmen möchte, übernachtet besser vor Ort.
Die kantabrische Süßküche: butterreiche Sobaos pasiegos und die käsefreie Quesada aus Dicklegmilch, dazu ein Glas frisch aufgekochte Kuhmilch — Casa Quevedo an der Calle del Río ist dafür die Institution. Herzhaft empfiehlt sich der deftige Cocido montañés.
Der historische Kern ist autofrei; Wagen bleiben auf den kostenpflichtigen Parkplätzen am Ortsrand. Innen geht es nur zu Fuß über Kopfsteinpflaster — bequeme Schuhe lohnen sich. Die Hauptachsen Calle del Cantón und Calle del Río verbinden Plaza Mayor und Colegiata in wenigen Minuten.
Ja. Der Ort samt Colegiata gehört zum UNESCO-Welterbe des Camino de Santiago auf der nördlichen Küstenroute (Camino del Norte). Die folgende Etappe nach Comillas misst rund 21 Kilometer durch grünes Hügel- und Küstenland.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Santillana del Mar.
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