Wer aus Wien kommend die Südbahn nimmt, spürt schon nach dreißig Minuten, wie das Tempo nachlässt. Baden bei Wien empfängt seine Gäste mit Lindenduft, Biedermeier-Fassaden und jenem eigentümlichen Wohlbehagen, das man früher Kurluft nannte. Die Stadt war über Jahrzehnte Sommerresidenz der Habsburger, und dieser Anspruch hat Spuren hinterlassen – in der Großzügigkeit der Parkanlagen, in den gepflegten Straßenzügen rund um den Hauptplatz und in einer Architektur, die Würde ohne Schwere ausstrahlt. Das Zentrum der Stadt dreht sich um den Hauptplatz mit der barocken Dreifaltigkeitssäule und dem markanten Rathaus. Nur wenige Schritte entfernt liegt das Beethovenhaus in der Rathausgasse, wo Ludwig van Beethoven mehrere Sommer verbrachte und an der Neunten Symphonie arbeitete – heute ein stilles, berührendes Museum. Wer sich Zeit nimmt, findet im Stadtgebiet über dreißig historische Gebäude, die direkt mit dem Komponisten in Verbindung stehen. Das Kaiserhaus am Hauptplatz, in dem Kaiser Franz I. residierte, lässt sich ebenfalls besichtigen und gibt einen unmittelbaren Einblick in das höfische Leben des frühen 19. Jahrhunderts. Die Thermalquellen, die Baden seit der Römerzeit bekannt machen, sprudeln noch immer. Das Thermalbad Badener Kurbad sowie das moderne Römer Therme-Areal bieten Badekultur auf verschiedenen Anspruchsniveaus – von entspanntem Familienbad bis zu medizinischer Anwendung. Wer nach dem Schwimmen die Beine vertreten möchte, spaziert durch den Kurpark, dessen weitläufige Rasenflächen, Rosenbeete und der klassizistische Musikpavillon auch außerhalb der Konzertsaison eine eigene Stille haben. Das Stadttheater Baden, eines der schönsten Operettenhäuser Österreichs, steht für ein kulturelles Programm, das weit über die Region hinaus Publikum anzieht. Operetten von Lehár und Strauß stehen hier in einer Spieltradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Rund um das Theater haben sich Cafés und Restaurants angesiedelt, die den Abend vor oder nach der Vorstellung angenehm rahmen. Die Weinberge der Umgebung, besonders jene entlang des Helenentals und in Richtung Gumpoldskirchen, laden zu kurzen Wanderungen und Heurigenbesuchen ein. Der Wienerwald beginnt praktisch am Stadtrand – für Radfahrer und Wanderer eine der attraktivsten Nahtstellen zwischen Stadt und Natur im gesamten Wiener Umland.




