Wer von Graz aus westwärts fährt, dem öffnet sich nach wenigen Minuten ein Anblick, der die Dimensionen einer gewöhnlichen Stadtbesichtigung sprengt: Schloss Eggenberg erhebt sich hinter einer langen Parkachse wie ein Solitär aus einer anderen Epoche. Vier Türme, 365 Fenster, 24 Prunkräume, 31 Säle — diese Zahlen sind kein Zufall, sondern ein in Stein geritzter Kalender. Hans Ulrich von Eggenberg ließ das Schloss ab 1625 als symbolisches Abbild der Zeit errichten: die Fenster für die Tage des Jahres, die Räume für die Stunden des Tages, die Türme für die Jahreszeiten. Das Besuchserlebnis beginnt bereits im weitläufigen Schlosspark, einem der schönsten Landschaftsgärten der Region. Pfauen schlendern unbeeindruckt zwischen den Besuchern hindurch, uralte Bäume werfen lange Schatten auf die Rasenflächen, und der Blick zurück auf die symmetrische Fassade des Schlosses lohnt jeden Schritt. Im Inneren führt die Führung durch die Prunkräume des ersten Stocks — den sogenannten Planetensaal, den Chinesischen Kabinett und den Erdgeschoßsaal — und vermittelt, wie die Eggenberger ihren Reichtum und ihre Weltanschauung in jedem Detail der Ausstattung verewigten. Deckengemälde, die kosmologische Systeme abbilden, Gobelins aus dem 17. Jahrhundert und Möbel, die europäische Handelswege erzählen: Jeder Raum ist ein eigenes Kapitel. Im Schloss selbst sind gleich mehrere Sammlungen der Universalmuseum Joanneum untergebracht. Die Alte Galerie zeigt mittelalterliche Tafelmalerei und Skulpturen, das Münzkabinett zählt zu den bedeutendsten seiner Art in Österreich, und die Archäologiesammlung präsentiert Funde aus der Steiermark, darunter den berühmten Strettweger Kultwagen aus dem 7. Jahrhundert vor Christus. Ein Besuch, der die Prunkräume mit mindestens einer dieser Sammlungen verbindet, gibt dem Schloss seine eigentliche Tiefe. Schloss Eggenberg ist kein Museum zum schnellen Abhaken. Wer sich zwei bis drei Stunden Zeit nimmt, erlebt ein Ensemble, das Architektur, Kunstgeschichte und Gartenkultur auf eine Weise verknüpft, die in der Steiermark einzigartig ist — und das seit 2010 zu Recht den Status eines UNESCO-Welterbes trägt.
Besucher erleben geführte Touren durch 24 original ausgestattete Prunkräume, besichtigen mittelalterliche Kunst in der Alten Galerie und den Strettweger Kultwagen in der Archäologiesammlung. Im weitläufigen Park flanieren Pfauen frei zwischen den Gästen.
Hans Ulrich von Eggenberg, der mächtigste Fürst der Steiermark seiner Zeit, beauftragte ab 1625 den Umbau eines älteren Herrensitzes zum repräsentativen Barockschloss. Die Architektur folgte einem kosmologischen Programm: 365 Fenster symbolisieren die Tage des Jahres, 24 Prunkräume die Stunden, vier Türme die Jahreszeiten. Nach dem Aussterben der Eggenberger im 18. Jahrhundert ging das Schloss an die Herbersteins über. Heute beherbergt es mehrere Sammlungen des Universalmuseum Joanneum, darunter die Alte Galerie mit Werken vom Mittelalter bis zum Barock und das bedeutende Münzkabinett.
