Ab 1561 ließ die Republik Venedig die Città Alta von Bergamo mit einem gewaltigen Mauerring umgürten. Über sechs Kilometer Bastionen, Kurtinen, Tore und Wallanlagen entstanden in jahrzehntelanger Bauzeit – ein Bollwerk gegen das benachbarte spanisch beherrschte Mailand, das die Westgrenze des venezianischen Festlandbesitzes sichern sollte. Das Paradoxe an dieser Festung: Sie wurde nie belagert und nie erobert. Gerade deshalb ist sie bis heute fast unversehrt erhalten und gehört zu den am besten bewahrten Stadtbefestigungen ihrer Epoche. Seit 2017 sind die Mura Venete als Teil der seriellen UNESCO-Welterbestätte „Venezianische Verteidigungsanlagen des 16. und 17. Jahrhunderts“ ausgezeichnet, gemeinsam mit Bauwerken in Italien, Kroatien und Montenegro. Vier monumentale Tore führten einst durch den Ring: die Porta San Giacomo aus rosa-weißem Marmor, die Porta Sant'Alessandro, die Porta San Lorenzo und die Porta Sant'Agostino. Über vielen prangt noch der geflügelte Markuslöwe, das Wappentier Venedigs. Für Besucher sind die Mauern heute vor allem eines: Bergamos schönste Promenade. Der durchgehende Spazierweg auf den Wällen führt rund um die Oberstadt, vorbei an schattigen Baumreihen und immer wieder mit weiten Ausblicken. Von der Porta San Giacomo und vom Abschnitt bei San Vigilio reicht der Blick bei klarem Wetter über die Città Bassa hinweg bis tief in die Po-Ebene; an guten Tagen sind in der Ferne sogar die Apenninen zu erahnen. Ein Rundgang auf den Mauern lässt sich zu jeder Tageszeit genießen, ist kostenlos und braucht keine Anmeldung. Besonders schön ist er am frühen Abend, wenn die Bergamasken zum Aperitivo herauskommen und die untergehende Sonne die Bastionen in warmes Licht taucht – ein entspannter Gegenpol zum dichten Gassengewirr der Altstadt.
Von der Porta San Giacomo öffnet sich der klassische Blick auf Mauer und Ebene.






























