Keine zweite Stadt an der Adria trägt ihren Beinamen so selbstbewusst wie Dubrovnik: „Perle der Adria“ nennen sie die einen, „Stein gewordene Republik“ die anderen. Über Jahrhunderte war Dubrovnik als Republik Ragusa ein eigenständiger Stadtstaat, der mit Handel, Diplomatie und einer mächtigen Flotte Venedig die Stirn bot. Dieses Erbe steckt in jedem Stein der Altstadt, die vollständig von einer bis zu 25 Meter hohen Stadtmauer umschlossen ist. Der Rundgang auf eben dieser Mauer ist das große Erlebnis Dubrovniks. Knapp zwei Kilometer führt der Weg über Bastionen und Türme einmal um die Altstadt herum – mal blickt man hinunter auf das Gewirr der roten Ziegeldächer und in versteckte Innenhöfe, mal hinaus auf das tiefblaue Meer und die vorgelagerte Insel Lokrum. Im Westen wacht die freistehende Festung Lovrijenac auf ihrem Felsen, das „Gibraltar von Dubrovnik“. Im Inneren der Mauern bildet die Stradun das Rückgrat der Stadt: eine breite, vom Gehen der Jahrhunderte spiegelglatt polierte Marmorstraße, die vom Pile-Tor schnurgerade zum Glockenturm führt. An ihren Enden stehen der Onofrio-Brunnen und das Franziskanerkloster mit einer der ältesten Apotheken Europas. Von der Stradun zweigen steile, enge Treppengassen ab, in denen Wäsche zwischen den Häusern hängt und kleine Konobas dalmatinische Küche servieren. Wer über die Mauern hinaus will, nimmt die Seilbahn auf den Hausberg Srđ. Von oben liegt die gesamte Altstadt wie ein Modell zu Füßen, dahinter das Meer mit den Elaphiten-Inseln. Dubrovnik ist im Sommer voll – Kreuzfahrtschiffe und Game-of-Thrones-Pilger drängen durch die Gassen – doch früh am Morgen oder am Abend, wenn die Tagesgäste fort sind, kehrt eine fast feierliche Ruhe in die alte Republik zurück.






