Es gibt wenige Städte, in denen Antike und Alltag so selbstverständlich verschmelzen wie in Split. Der Diokletianpalast, vor rund 1700 Jahren als Alterssitz des römischen Kaisers errichtet, ist heute kein Museum hinter Absperrungen, sondern ein bewohntes Viertel: In den massiven Mauern und Substruktionen drängen sich Cafés, Wohnungen, Wäscheleinen und kleine Läden. Wer durch das Goldene Tor tritt und über das Peristyl schreitet, steht zwischen Säulen, die Sklaven und Kaiser gesehen haben – und nebenan schenkt jemand einen Espresso aus. Das Zentrum des Palastes bildet das Peristyl, ein Säulenhof von strenger Schönheit, über dem sich der Glockenturm der Kathedrale des heiligen Domnius erhebt. Sie gilt als eine der ältesten in Funktion stehenden Kathedralen der Welt, errichtet im einstigen Mausoleum des Kaisers, der die Christen verfolgte – eine der vielen Ironien dieser Stadt. Wer die schmale Treppe des Turms erklimmt, wird mit einem Rundblick über die roten Dächer, die Bucht und die vorgelagerten Inseln belohnt. Vor den Palastmauern öffnet sich die Riva, die palmengesäumte Strandpromenade, auf der Split am Abend zusammenkommt. Hier wird flaniert, diskutiert, Eis gegessen und auf das Meer geschaut, in dem die Fähren nach Hvar, Brač und Vis ablegen. Über allem liegt der Marjan, der bewaldete Hügel im Westen, durchzogen von Wanderwegen, Aussichtspunkten und kleinen Einsiedlerkapellen – die grüne Lunge und der Lieblings-Sonntagsausflug der Splitkici. Split ist dabei nie museal geraten. Es ist eine laute, sonnengebräunte Hafenstadt mit ausgeprägtem Lokalstolz, fußballverrückt, fischverliebt und stets bereit für ein langes Mittagessen. Wer hierher kommt, sollte sich Zeit für die Gassen östlich des Palastes nehmen, durch das alte Fischerviertel Veli Varoš schlendern und am Markt vorbeischauen, wo dalmatinisches Olivenöl, getrockneter Feigen und Lavendel von den Inseln verkauft werden.






