Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Pula
Die komplette Antike von Pula passt in einen Spaziergang von einer Stunde, wenn du unterwegs nirgends stehen bleibst – was dir nicht gelingen wird.
Die Arena steht nicht am Stadtrand, sondern direkt über dem Hafen, und sie ist das Erste, was du siehst, wenn du von Norden in die Stadt kommst. Gebaut wurde sie im 1. Jahrhundert nach Christus aus dem hellen Kalkstein der Umgebung, der Außenring misst an der höchsten Stelle knapp dreißig Meter. Bemerkenswert ist weniger die Größe als die Vollständigkeit: Als eines von wenigen römischen Amphitheatern hat Pulas Arena ihren gesamten Außenmantel samt aller vier Seitentürme behalten, in denen einst Treppen und Wasserzisternen steckten. Im Inneren führen Stufen hinunter in die unterirdischen Gänge, wo Amphoren und rekonstruierte Pressen die Olivenöl- und Weinproduktion des römischen Istrien erklären – ein kühler Raum, der im Hochsommer doppelt guttut.
Vom Amphitheater sind es zehn Gehminuten zum Forum, und dieser Platz ist seit zweitausend Jahren derselbe: römischer Marktplatz, venezianischer Ratsplatz, heute Café- und Veranstaltungsfläche der Altstadt. An seiner Stirnseite steht der Augustustempel, errichtet zwischen dem Jahr 2 vor und 14 nach Christus für die Göttin Roma und den Kaiser, mit vier schlanken Säulen vor der Vorhalle und einem Innenraum, in dem heute antike Stein- und Bronzefunde stehen. 1944 zerstörte ihn ein Bombentreffer fast vollständig; nach dem Krieg wurde er aus den geborgenen Originalteilen wieder aufgebaut. Direkt daneben klemmt der Kommunalpalast, den man im 13. Jahrhundert auf die Reste eines zweiten römischen Tempels setzte und der bis heute Sitz der Stadtverwaltung ist.
Vom Forum führt die Gasse Sergijevaca ostwärts auf den Sergierbogen zu, im Volksmund das Goldene Tor. Salvia Postuma Sergi ließ den Triumphbogen im 1. Jahrhundert vor Christus für drei Angehörige ihrer Familie errichten, direkt an ein damaliges Stadttor gesetzt, weshalb die dem Betrachter zugewandte Seite reich dekoriert ist und die Rückseite schlicht blieb. Gleich daneben sitzt ein bronzener James Joyce an einem Cafétisch: Der Ire unterrichtete im Winter 1904/05 in Pula Englisch an einer Berlitz-Schule und beschrieb die Stadt in Briefen als reichlich abgelegenes Nest. Weiter nördlich steht die Kathedrale, deren Wurzeln bis in die frühchristliche Zeit reichen und deren Glockenturm im 17. Jahrhundert aus Steinen der Arena gemauert wurde.
Über der Altstadt liegt der Burghügel mit dem Kaštel, einer sternförmigen Festung, die die Venezianer 1630 nach dem Entwurf eines französischen Militäringenieurs anlegten. Heute steckt darin das Historische und Maritime Museum Istriens, und von den Wällen überblickst du Altstadt, Hafen und Werft auf einmal. In den Hügel hinein treibt die Zerostrasse, ein Tunnelsystem, das die österreichisch-ungarische Armee im Ersten Weltkrieg als Schutzraum und Munitionslager anlegte und das heute mit mehreren Eingängen begehbar ist. Dazu kommen die kleinen Dinge, die viele auslassen: das Herkulestor als ältestes erhaltenes Bauwerk der Stadt, das Doppeltor neben dem Archäologischen Museum Istriens, die byzantinische Kapelle Maria Formosa und ein römisches Bodenmosaik mit der Bestrafung der Dirke, das nach Bombentreffern des Zweiten Weltkriegs in einem Hinterhof zum Vorschein kam und frei zugänglich ist.















