Pula trägt seine zweitausendjährige Geschichte offen zur Schau. Die Arena, das große römische Amphitheater aus dem 1. Jahrhundert, erhebt sich am Rand der Altstadt mit fast vollständig erhaltenem Außenring – einer der wenigen seiner Art, bei dem noch alle vier Seitentürme stehen. Wer abends durch eines der Tore tritt, während ein Konzert oder eine Filmvorführung die Ränge füllt, erlebt das Bauwerk so, wie es seit jeher gedacht war: als Ort, an dem sich die Stadt versammelt. Vom Forum, dem zentralen Platz, blickt man auf den Augustustempel, dessen schlanke korinthische Säulen seit der Antike die Piazza begrenzen. Von hier winden sich die Gassen den Hügel hinauf zur venezianischen Festung Kaštel, deren Sterngrundriss aus dem 17. Jahrhundert stammt. Oben angekommen reicht der Blick über die roten Ziegeldächer, den Hafen und die Werften, die Pula bis heute prägen – die Stadt war lange ein wichtiger Kriegshafen der österreichisch-ungarischen Marine, und diese maritime Schicht liegt spürbar über der römischen. Istrien zeigt sich in Pula von seiner zugänglichen, lebendigen Seite. In den Konobas der Altstadt kommen istrische Klassiker auf den Tisch: handgemachte Fuži-Nudeln mit Trüffel aus dem nahen Hinterland, frischer Fisch von der Adria, dazu Malvazija, der charakteristische istrische Weißwein. Wenige Kilometer südlich öffnet sich der Naturschutzpark Kap Kamenjak mit zerklüfteten Felsbuchten und kristallklarem Wasser – ein Gegengewicht zur dichten Geschichte des Zentrums. Pula verlangt kein Entweder-oder. Man kann morgens über antikes Pflaster gehen, mittags in einer Bucht schwimmen und abends unter den Bögen der Arena einem Konzert lauschen. Genau diese Verdichtung von Antike, Adria und istrischem Alltag macht die Stadt zu einem idealen Ausgangspunkt für die ganze Halbinsel.






