◆ STADT · ELSASS
Riquewihr ist eines jener Städtchen, bei denen man kurz prüft, ob sie wirklich existieren – so vollständig hat es sein 16. Jahrhundert bewahrt. Hinter einer doppelten Wehrmauer staffeln sich die Fachwerkhäuser in Ocker, Altrosa und Tannengrün die Grand Rue hinauf, Erker und geschnitzte Balken werfen Schatten auf das Kopfsteinpflaster, und am oberen Ende riegelt der gedrungene Dolder-Turm die Gasse ab. Ringsum klettern die Grand-Cru-Lagen Schoenenbourg und Sporen in Richtung Vogesen, und in den dunklen Weinstuben kreist der Riesling so selbstverständlich wie anderswo der Kaffee. Touristisch ist es, ja – aber unter den Geranienbalkonen wird noch immer Wein gemacht, gewohnt und gegessen.
Riquewihr verdankt sein Aussehen dem Wein und ein wenig dem Glück. Schon im Mittelalter machte der Riesling von den Südhängen die kleine Herrschaft wohlhabend, und der Reichtum schlug sich in Stein und Eichenholz nieder: in stolzen Bürgerhäusern mit Treppengiebeln, geschnitzten Erkern und höfischen Innenhöfen, viele datiert auf das frühe 16. Jahrhundert. Anders als die meisten elsässischen Orte überstand Riquewihr beide Weltkriege fast unbeschadet – die Front zog vorbei, und so blieb ein Stadtbild erhalten, das andernorts längst zerstört wurde. Wer durch die Grand Rue geht, wandert buchstäblich durch eine Renaissance-Kulisse, die nie verloren ging.
Das Herz des Ortes ist diese eine ansteigende Gasse, gerahmt von zwei Türmen. Unten der spätere Obertor-Durchgang, oben der Dolder von 1291 – ein 25 Meter hoher Wehr- und Glockenturm, der zugleich Stadttor, Aussichtspunkt und kleines Heimatmuseum ist. Dahinter wird es enger: der Cour des Juifs, die alte Judengasse, führt zur Tour des Voleurs, dem ehemaligen Gefängnisturm mit Folterkammer und Weinkelter. Zwischen den Häusern haben sich Familienweingüter eingenistet, deren Keller älter sind als die meisten europäischen Hauptstädte – Hugel & Fils etwa keltert hier seit 1639, in zwölfter Generation.
Riquewihr lebt von einem Spagat. Tagsüber, wenn die Reisebusse aus Colmar eintreffen, gehört die Grand Rue den Souvenirläden, den Bredele-Bäckereien und dem Strom der Fotografierenden. Doch wer früh kommt oder bleibt, bis die Tagesgäste fort sind, erlebt einen anderen Ort: stille Höfe, das Klappern in den Winzerkellern, ein Glas Riesling auf der Bank vor der eigenen Tür. travelperfect rät, eine Nacht zu bleiben, die Reben oberhalb der Mauer zu erlaufen und Riquewihr nicht abzuhaken, sondern bei einem späten Flammkuchen einfach sitzen zu bleiben.
01 · Auf einen Blick
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· Aktivitäten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Die Grand Rue hinauf
Der klassische Rundgang führt vom unteren Stadttor – wo auch die Parkplätze liegen – die Grand Rue empor: vorbei am Fachwerk des 16. Jahrhunderts, dem Maison Liebrich mit seinem Holzgalerie-Hof, dem Musée Hansi und immer höher, bis der Dolder-Turm von 1291 die Gasse abriegelt. Hinter ihm öffnet sich der Cour des Juifs mit der Tour des Voleurs. Wer früh morgens geht, hat die schönste Kulisse Frankreichs fast für sich.
Riesling & Grand Cru
Riquewihr ist eine Wein-Hochburg: Die Grand-Cru-Lagen Schoenenbourg und Sporen liefern einige der mineralischsten Rieslinge des Elsass. In der Altstadt öffnen Traditionshäuser ihre jahrhundertealten Keller zur Verkostung – Hugel & Fils keltert seit 1639, Dopff au Moulin steht für elsässischen Crémant. Eine geführte Probe erklärt den Unterschied zwischen trockenem Riesling, würzigem Gewürztraminer und edelsüßer Vendange Tardive.
Hinaus in die Reben
Oberhalb der Stadtmauer beginnt der Weinlehrpfad, der in einer leichten Schleife durch die Grand-Cru-Hänge führt. Tafeln erklären Rebsorten und Terroir, der Blick reicht über die Dächer Riquewihrs bis hinüber nach Ribeauvillé und an klaren Tagen zum Schwarzwald. Die Runde dauert rund eine Stunde und endet wieder am Obertor – idealerweise mit einem Glas im Hof eines Winzers.
03 · Wann
Riquewihr liegt im Regenschatten der Vogesen – das Elsass zählt zu den trockensten und sonnigsten Weinregionen Frankreichs, was den Riesling ebenso prägt wie die Reisezeit. Frühling und Frühsommer sind grün und mild, der Herbst leuchtet zur Weinlese golden, und im Advent verwandelt sich die Altstadt in einen der stimmungsvollsten Weihnachtsmärkte des Landes. Der Hochsommer kann heiß und voll werden.
04 · Häufige Fragen
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten reihen sich entlang der Grand Rue, der Hauptgasse: das fast unveränderte Renaissance-Fachwerk, der Dolder-Turm von 1291 als Wahrzeichen, das Maison Liebrich mit seinem Galerie-Hof und das Musée Hansi. Hinter dem Dolder folgen die stillere Oberstadt mit Tour des Voleurs und Cour des Juifs sowie die erhaltene Stadtmauer. Dazu kommen die Weinhäuser wie Hugel & Fils und der Weinlehrpfad in den Grand-Cru-Reben – ein Altstadt-Rundgang verbindet das meiste auf kurzem Weg.
Das Wahrzeichen ist der Dolder, ein 25 Meter hohes Stadttor von 1291 am oberen Ende der Grand Rue, das heute ein kleines Heimatmuseum beherbergt. Mindestens ebenso berühmt ist die Grand Rue selbst – das geschlossene Fachwerk-Ensemble des 16. Jahrhunderts, das Riquewihr den Ruf als „schönste Gasse des Elsass“ eingebracht hat.
Die Altstadt selbst erkundet man in zwei bis drei Stunden, doch das wird dem Ort nicht gerecht. Wer den Altstadt-Rundgang macht, den Weinlehrpfad geht, eine Kellerprobe wahrnimmt und in einer Winstub isst, füllt leicht einen ganzen Tag. Am schönsten ist eine Übernachtung: Sobald die Tagesgäste abgereist sind, gehört Riquewihr wieder den Einheimischen – das ist der eigentliche Reiz.
Sehr. Die gesamte ummauerte Altstadt ist autofrei und in Minuten zu Fuß erschlossen; alles Sehenswerte liegt entlang der ansteigenden Grand Rue. Geparkt wird auf den großen, ausgeschilderten Parkplätzen direkt vor den Stadtmauern, von dort sind es nur wenige Schritte ins Zentrum. An Sommer- und Adventswochenenden füllen sich die Parkplätze früh – wer am Vormittag kommt, steht entspannter.
Riquewihr gehört mit Eguisheim, Kaysersberg und Colmar zu den meistgenannten Schönheiten der elsässischen Weinstraße. Gut kombinieren lässt es sich mit dem stillen Hunawihr und Ribeauvillé in direkter Nachbarschaft sowie dem nahen Colmar mit seinem Viertel „La Petite Venise“ – an einem Tag schafft man Riquewihr plus ein oder zwei Nachbardörfer bequem.
Der Weihnachtsmarkt findet an den Adventswochenenden statt, meist von Ende November bis kurz vor Weihnachten. Die ohnehin malerische Grand Rue wird dann mit Lichtern und Tannengrün geschmückt und gehört zu den stimmungsvollsten im Elsass. Entsprechend voll ist es an den Wochenenden – wer kann, kommt unter der Woche oder am frühen Vormittag.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage an der elsässischen Weinstraße.
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