Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Colmar
Die gesamte Altstadt passt in einen Kreis von rund einem Kilometer Durchmesser, du läufst von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten selten länger als fünf Minuten.
Der Anker für alles Weitere ist das Musée Unterlinden, das bedeutendste Museum des Elsass, untergebracht in einem Dominikanerinnenkloster aus dem 13. Jahrhundert. In der hohen Klosterkapelle steht Matthias Grünewalds Isenheimer Altar, um 1512 bis 1516 für das Antoniterkloster im nahen Issenheim gemalt, wo man Kranke mit dem Antoniusfeuer behandelte – die Wunden des Gekreuzigten sind deshalb dieselben, die die Patienten damals an sich selbst sahen. Das Retabel ist heute in seine einzelnen Tafeln zerlegt aufgestellt, sodass du um den geschnitzten Schrein von Niklaus von Hagenau herumgehen und jede Seite sehen kannst; eine mehrjährige Restaurierung hat die Farben bis 2022 wieder freigelegt. Der Anbau von Herzog & de Meuron verbindet Kloster und ehemaliges Stadtbad unterirdisch und gibt der Sammlung des 20. Jahrhunderts einen eigenen Flügel.
Keine dreihundert Meter weiter, rund vier Gehminuten, steht die Église des Dominicains, eine Bettelordenskirche ohne Turm und fast ohne Zierrat, deren nackte Wände genau deshalb funktionieren. Im Chorraum hängt Martin Schongauers „Madonna im Rosenhag“ von 1473, das Schlüsselwerk der oberrheinischen Malerei vor Dürer, vor einem Hintergrund aus Rosen, Pfingstrosen und akkurat gemalten Vögeln. Das Bild war zwischenzeitlich verschwunden – 1972 aus der Kirche gestohlen und ein Jahr später wiedergefunden – und hängt heute entsprechend gesichert. Nimm dir hier bewusst zehn Minuten mehr Zeit als geplant: Die Kirche ist selten voll, das Licht durch die alten Glasfenster wandert im Lauf des Tages über den Chor, und nach dem Gedränge im Unterlinden ist das der passende Gegenpol.
Die Bürgerhäuser sind der Grund, warum Colmar so oft fotografiert wird. Die Maison Pfister von 1537 an der Rue des Marchands trägt eine hölzerne Galerie, einen achteckigen Eckerker und bemalte Brüstungsfelder; gebaut hat sie sich ein wohlhabender Hutmacher, benannt ist sie nach einer späteren Besitzerfamilie des 19. Jahrhunderts. Zwei Straßen weiter sitzen an der Maison des Têtes von 1609 einhundertsechs geschnitzte Köpfe in der Fassade, und die kleine Küferfigur am Giebel stammt von Bartholdi – sie kam erst 1902 dazu, als das Haus zur elsässischen Weinbörse wurde. Am Koifhus, dem Kauf- und Zollhaus von 1480 mit glasiertem Ziegeldach, verzollten die Händler ihre Waren, und im Obergeschoss tagte die Dekapolis, der Bund der zehn freien Reichsstädte des Elsass.
Bleibt die Collégiale Saint-Martin, die die Colmarer hartnäckig „Cathédrale“ nennen, obwohl die Stadt nie Bischofssitz war. Der gelbliche Sandstein stammt aus den Vogesen, das Dach ist mit farbigen Ziegeln in Rautenmustern gedeckt, und am südlichen Portal hat sich ein Baumeister namens Meister Humbret in einer Inschrift selbst verewigt. Wer danach noch Zeit hat, geht in Bartholdis Geburtshaus an der Rue des Marchands, wo das Musée Bartholdi Entwürfe und Modelle bis hin zur Freiheitsstatue zeigt, oder ins Musée du Jouet mit historischem Blechspielzeug und einer großen Modelleisenbahn, die an Regentagen mit Kindern Gold wert ist. Mehrere Colmarer Museen haben einen festen Schließtag in der Woche, und einzelne Häuser – etwa das Musée Bartholdi – schließen im Januar ganz; prüf das vor der Anreise auf der jeweiligen Website.











