◆ STADT · ELSASS
Obernai macht das, was viele elsässische Fachwerkstädtchen verlernt haben: Es lebt. Während die Tagesgäste in Colmar und Riquewihr durch fast museale Kulissen ziehen, ist der Place du Marché von Obernai ein echter Marktplatz – mit Bäckern, Metzgern, Winzern und Cafés, über denen sich der gotische Kapellturm und das Renaissance-Rathaus erheben. In der Mitte plätschert der Puits aux Six Seaux, der Brunnen mit den sechs Eimern von 1579. Rund um die Altstadt schließt sich ein selten gut erhaltener doppelter Mauerring mit fast zwanzig Türmen. Und vor den Toren beginnt sofort die Elsässer Weinstraße: Obernai sitzt mitten in der Lage Clos Sainte-Odile, über der der Wallfahrtsberg Mont Sainte-Odile thront. Wer das Elsass ohne Gedränge sucht, ist hier richtig.
Obernai verdankt seinen Ruf einer Heiligen. Der Überlieferung nach wurde hier um 660 Odilia geboren, die Tochter des fränkischen Herzogs Eticho – blind zur Welt gekommen, verstoßen, dann auf wundersame Weise sehend geworden. Sie gründete auf dem nahen Berg, der heute ihren Namen trägt, ein Kloster und wurde zur Schutzpatronin des Elsass. Der Mont Sainte-Odile über der Stadt ist bis heute der meistbesuchte Wallfahrtsort der Region; von seiner Terrasse fällt der Blick weit über die Rheinebene bis zum Schwarzwald. Obernai selbst trug die Heilige stolz im Wappen und wuchs im Mittelalter zur freien Reichsstadt, Mitglied der Dekapolis, des Zehnstädtebundes im Elsass.
Aus dieser Blütezeit stammt das Bild der Altstadt. Am Place du Marché stehen die großen Bürgerbauten beieinander: das Rathaus mit seinem Renaissance-Balkon, die alte Kornhalle Halle aux Blés mit ihrem Metzgereierdgeschoss, und der sechseckige Kapellturm, der einzige Rest einer abgerissenen Kirche und mit seinen fast sechzig Metern das aufragende Wahrzeichen. Davor steht der Puits aux Six Seaux, ein Renaissance-Ziehbrunnen mit drei Walzen und sechs Eimern, von 1579. Anders als in den reinen Touristendörfern ist dieser Platz kein Freilichtmuseum, sondern Obernais Wohnzimmer – samstags Markt, im Advent Weihnachtsmarkt, das ganze Jahr über Treffpunkt.
Und dann ist da der Wein. Obernai liegt auf der Elsässer Weinstraße, die hier oben im Bas-Rhin beginnt, lange bevor sie die berühmten Colmarer Grands Crus erreicht. Rund um die Stadt wachsen Riesling, Gewürztraminer, Pinot Gris und Sylvaner; die stadteigene Lage Clos Sainte-Odile gehört der Kommune. In den Winstuben kommen Choucroute, Baeckeoffe und Tarte flambée auf den Tisch, dazu ein trockener Elsässer Weißwein – und mit der Fourchette des Ducs besitzt das Städtchen sogar eine der renommiertesten Küchen der Region. travelperfect empfiehlt Obernai als ruhigen, authentischen Standort für die nördliche Weinstraße – nah genug an Straßburg für den Tagesausflug, weit genug weg vom Trubel.
01 · Auf einen Blick
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· Entdecken & Buchen
02 · Sehenswürdigkeiten & Rundgang
Fachwerk & Marktplatz
Das Herz der Stadt versammelt auf einem Platz alles, was Obernai ausmacht: das Renaissance-Rathaus mit seinem Balkon, die alte Kornhalle Halle aux Blés, den fast sechzig Meter hohen Kapellturm und in der Mitte den Sechs-Eimer-Brunnen von 1579. Drumherum reihen sich bunte Fachwerkhäuser, Cafés und Winzerstuben – samstags Markttag, im Advent Weihnachtsmarkt.
Mauern & Türme
Obernai besitzt einen der vollständigsten Befestigungsringe des Elsass: ein doppelter Wall mit rund zwanzig Türmen, von denen viele bis heute stehen. Ein Spaziergang auf der Promenade entlang der Mauern führt vom Tour de la Chapelle bis zum Turm der Kappel und zeigt die Stadt von ihrer wehrhaften Seite – ein ruhiger Rundweg abseits des Marktplatzes und einer der schönsten Geheimtipps der Stadt.
Wein & Genuss
Hier oben im Bas-Rhin beginnt die Elsässer Weinstraße, lange vor den Colmarer Grands Crus. Rund um Obernai wachsen Riesling, Gewürztraminer und Pinot Gris, die stadteigene Lage Clos Sainte-Odile inklusive. In den Winstuben gibt es Choucroute, Baeckeoffe und Tarte flambée – und mit der Fourchette des Ducs sogar eine der besten Küchen des Elsass.
Wallfahrt & Aussicht
Über der Stadt thront auf einem Felssporn das Kloster der heiligen Odilia, der Schutzpatronin des Elsass – seit über 1300 Jahren Wallfahrtsort. Von der Klosterterrasse fällt der Blick weit über die Rheinebene; ringsum führen Wanderwege entlang der rätselhaften Heidenmauer, eines kilometerlangen prähistorischen Steinwalls. Ein Halbtagesausflug von Obernai aus.
03 · Wann
Obernai liegt am Übergang von der Rheinebene zu den Vogesen, im Windschatten des Gebirges – das macht das Klima vergleichsweise trocken und sonnig, ein Grund, warum hier der Wein gedeiht. Die Sommer sind warm, die Winter klar und oft frostig. Frühling und Herbst sind ideal für Altstadt und Weinstraße; im Advent verwandelt sich der Place du Marché in einen stimmungsvollen Weihnachtsmarkt.
04 · Häufige Fragen
Frühling (April bis Juni) und Herbst (September bis Oktober) sind ideal: mildes Wetter, blühende oder gerade gelesene Weinberge und weniger Andrang. Wer den Weihnachtsmarkt am Place du Marché erleben möchte, reist von Ende November bis Weihnachten – dann ist es allerdings voll, und Übernachtungen sollten früh gebucht werden. Den Hochsommer mit vielen Tagesgästen aus Straßburg sollte man kennen, er ist aber gut zu verkraften.
Die kompakte Altstadt mit Place du Marché, Kapellturm und Mauerring lässt sich an einem halben bis ganzen Tag erkunden. Wer aber die Weinstraße abfahren, zum Mont Sainte-Odile hinaufwandern und vielleicht in der Fourchette des Ducs essen will, plant zwei bis drei Tage ein – Obernai ist ein idealer, ruhiger Standort für die nördliche Weinstraße und Tagesausflüge nach Straßburg.
Ja – gerade weil Obernai anders ist als die großen Namen. Colmar und Riquewihr sind schöner herausgeputzt, aber auch deutlich touristischer. Obernai ist eine lebendige Stadt, in der die Menschen wohnen und arbeiten; der Place du Marché ist ein echter Marktplatz. Wer das authentische, weniger inszenierte Elsass sucht und trotzdem Fachwerk, einen erhaltenen Mauerring und die Weinstraße direkt vor der Tür haben will, ist in Obernai oft glücklicher. Als zweitmeistbesuchte Stadt des Bas-Rhin hat es genug zu bieten, ohne überlaufen zu sein.
Der traditionelle Wochenmarkt findet am Samstagvormittag auf dem Place du Marché statt – mit Käse, Wein, Obst, Gemüse und elsässischen Spezialitäten. Wer das echte, lebendige Obernai erleben will, kommt an einem Samstag. In der Adventszeit verwandelt sich derselbe Platz zusätzlich in einen der stimmungsvollsten Weihnachtsmärkte des Bas-Rhin.
Der historische deutsche Name der Stadt lautet Oberehnheim. Das Elsass war über die Jahrhunderte abwechselnd französisch und deutsch geprägt, und im Alltag wird bis heute oft elsässischer Dialekt gesprochen. Offiziell und auf allen Schildern heißt die Stadt jedoch Obernai.
Die elsässischen Klassiker: Choucroute (Sauerkraut mit Wurst und Fleisch), Baeckeoffe (Schmortopf), Tarte flambée (Flammkuchen) und Munsterkäse, dazu ein Stück Kougelhopf. Getrunken wird der trockene Elsässer Weißwein – Riesling, Gewürztraminer, Pinot Gris – am liebsten aus der stadteigenen Lage Clos Sainte-Odile. Am authentischsten erlebt man das in einer Winstub; wer gehoben essen will, reserviert in der zweifach besternten Fourchette des Ducs.
Unbedingt. Das Kloster der heiligen Odilia auf seinem Felssporn ist der meistbesuchte Wallfahrtsort des Elsass, und von der Terrasse reicht der Blick weit über die Rheinebene bis zum Schwarzwald. Drumherum führen Wanderwege entlang der prähistorischen Heidenmauer. Mit dem Auto ist man von Obernai in rund 20 Minuten oben; Wanderer steigen über markierte Pfade durch den Wald auf.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Obernai und auf der Weinstraße.
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