◆ STADT · ARAGONIEN
Huesca trägt seine zweitausend Jahre leicht. Auf 476 Metern, dort wo die fruchtbare Hoya in die ersten Vorberge der Pyrenäen übergeht, drängen sich Gotik, Romanik und ein paar Aragonien-typische Eigensinnigkeiten in einer Altstadt zusammen, die man an einem Vormittag erläuft und an einem Abend nicht mehr verlässt. Die Provinzhauptstadt ist Tor zum Ordesa-Nationalpark und zugleich ein eigenständiges Ziel: Königspaläste, eine alabasterne Kathedrale, das älteste Geschäft Spaniens und zwei riesige Papierfalter aus Eisen, die zum Wahrzeichen wurden.
Huescas Geschichte beginnt als römisches Osca und gipfelt im Mittelalter, als die Stadt kurze Zeit Königssitz Aragoniens war. In der romanischen Klosterkirche San Pedro el Viejo, einer der ältesten des Landes, ruhen im Pantheon zwei Könige: Alfonso I. el Batallador, der Eroberer, und sein Bruder Ramiro II. el Monje, der Mönch. An letzteren knüpft die blutigste Sage Aragoniens an, die Campana de Huesca: Der gegen seinen Willen zum König gewordene Mönch soll ein gutes Dutzend aufsässiger Adliger in den alten Königspalast geladen und enthauptet haben, um eine Glocke zu gießen, die in ganz Aragonien zu hören sei. Der Saal, in dem das geschehen sein soll, gehört heute zum Museo de Huesca.
Das Herz der Stadt ist der Coso, der halbkreisförmige Boulevard auf der einstigen Stadtmauer. Hier entstand das Verb hacer un coso: bummeln, gesehen werden, dazugehören. Unter den Porches de Galicia, in den Cafés der Plaza Luis López Allué, dem alten Marktplatz, und in La Confianza, einem Kolonialwarenladen von 1871 mit seiner gemalten Decke, der als eines der ältesten Geschäfte Spaniens gilt, spürt man eine Stadt, die sich selbst genügt, ohne provinziell zu wirken.
Ihr modernes Symbol aber sind die Pajaritas, zwei überlebensgroße eiserne Papierfalter im Parque Miguel Servet, 1928 vom Maler, Anarchisten und Pädagogen Ramón Acín als Denkmal für die Kindheit entworfen. Sie stehen dort, wo einst die legendären Gärten des Sammlers Vincencio Lastanosa lagen. Acín wurde 1936 zu Beginn des Bürgerkriegs erschossen; seine Falter überstanden alles und wurden zum Wappentier einer Stadt, die das Sanfte und das Trotzige gleichermaßen kennt.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel
· Sehenswürdigkeiten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Altstadt zu Fuß
Vom höchsten Punkt der Stadt hinunter: die gotische Kathedrale mit ihrem fein gemeißelten Westportal und dem Alabaster-Hochaltar von Damián Forment, dann San Pedro el Viejo mit seinem romanischen Kreuzgang und dem Königspantheon, schließlich das Museo de Huesca im alten Königspalast, wo die Sage der Campana de Huesca zu Hause ist.
Stadtleben
Der gesellige Rundgang über den Coso, Vermut und Tapas unter den Porches de Galicia, ein Halt auf der Plaza Luis López Allué und ein Blick in La Confianza, deren bemalte Decke und Holztheken seit über 150 Jahren stehen. Endpunkt: die eisernen Pajaritas im Parque Miguel Servet.
Tagesausflug Burg & Schlucht
Gut 30 km nördlich thront das Castillo de Loarre, eine der besterhaltenen romanischen Burgen Europas, über der Ebene. Weiter östlich locken Alquézar, eines der schönsten Dörfer Spaniens, die Pasarelas del Vero und die Schluchten der Sierra de Guara, Spaniens Canyoning-Hochburg.
Auf in die Pyrenäen
Über die A-23 und N-260 erreicht man in gut 75 Minuten Torla, das klassische Eingangstor zum Nationalpark Ordesa y Monte Perdido. Im Sommer fährt der Pendelbus ins Tal; von dort führen Klassiker wie die Cola de Caballo und die Senda de los Cazadores zwischen 3000er-Wänden.
03 · Wann
Huesca hat ein leicht kontinentales Klima: kühle, trockene Winter mit gelegentlichem Morgennebel und heiße, sonnige Sommer, in denen das Thermometer in Spitzen 38 bis 40 Grad erreichen kann. Regen fällt sparsam (rund 485 mm im Jahr) und vor allem im Frühjahr und Herbst, die deshalb die angenehmste Zeit für Stadt und Berge sind.
04 · Häufige Fragen
Am schnellsten mit dem Hochgeschwindigkeitszug AVE bis Zaragoza und von dort weiter mit Regionalzug oder Bus, die jeweils in gut einer Stunde Huesca erreichen. Wer mit dem Auto kommt, nutzt die A-23, die Huesca direkt mit Zaragoza und weiter mit Madrid bzw. der Mittelmeerküste verbindet.
Ja, Huesca gilt als Tor zu den aragonesischen Pyrenäen. Bis Torla, dem klassischen Eingang zum Nationalpark Ordesa y Monte Perdido, sind es über die A-23 und N-260 rund 90 Kilometer, etwa 75 Minuten Fahrt. In der Hauptsaison verkehrt ab Torla ein Pendelbus ins Tal, da private Autos dann gesperrt sind.
Die Altstadt ist kompakt und lässt sich an einem vollen Tag erleben: Kathedrale, San Pedro el Viejo, das Museo de Huesca und ein Bummel über den Coso bis zu den Pajaritas. Mit Tagesausflügen nach Loarre, Alquézar oder in die Berge füllt man problemlos drei bis vier Tage.
Vom 9. bis 15. August feiert Huesca sein Patronatsfest San Lorenzo, ein Fest von nationalem touristischem Interesse. Die ganze Stadt kleidet sich in Weiß mit grünem Halstuch (blancos y verdes), es tanzen die Danzantes, und es gibt ternasco vom Grill und Somontano-Wein. Wer dann anreist, sollte Unterkünfte früh buchen.
Allen voran das Castillo de Loarre, eine der besterhaltenen romanischen Burgen Europas, rund 30 Kilometer nördlich. Dazu Alquézar mit den Pasarelas del Vero und den Schluchten der Sierra de Guara für Canyoning und Klettern sowie die Weingüter der Somontano-Route. Und natürlich die Pyrenäen mit Ordesa.
Ternasco de Aragón, zart gegrilltes Lamm mit Herkunftsschutz, dazu migas aragonesas (gebratene Brotbrösel mit Chorizo) und Wein aus dem nahen Somontano. Süß geht es weiter mit lokalem Gebäck, das man in traditionsreichen Läden wie La Confianza bekommt.
05 · In der Nähe
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