Wer von Kaprun aus in die Berge aufbricht, ahnt zunächst nicht, was ihn erwartet. Erst wenn die Gondeln und Busse der Gletscherbahnen die Waldgrenze hinter sich lassen und die ersten Felswände auftauchen, beginnt das eigentliche Schauspiel. Zwei mächtige Stauseen – der Wasserfallboden auf rund 1.672 Metern und der Mooserboden auf etwa 2.036 Metern – liegen wie hineingelegt in eine Hochgebirgslandschaft aus Gneis und Gletschereis. Das Wasser schimmert in einem unwahrscheinlichen Blaugrün, das je nach Tageszeit zwischen Smaragd und tiefem Petrol wechselt. Der Weg hinauf beginnt im Tal mit der Fahrt durch den Drossen-Stollen, einen in den Fels getriebenen Tunnel, der das Herzstück des gesamten Kraftwerkssystems bildet. Oben angekommen, steht man vor der Limbergmauer – einer geschwungenen Bogenstaumauer, die bis zu 113 Meter hoch aufragt. Wer über die Mauerkrone spaziert, blickt auf der einen Seite in den tiefblauen Wasserfallbodensee, auf der anderen Seite senkrecht in die Tiefe. Das ist kein Erlebnis für schwache Nerven, aber eines, das sich tief einprägt. Weiter oben wartet der Mooserboden, flankiert von der Moosersperre und der Drossensperre. Hier, auf über 2.000 Metern, öffnet sich der Blick auf den Großglockner und das Kitzsteinhorn-Gletscherplateau. Der Rundweg entlang beider Seen lässt sich in rund zwei bis drei Stunden gemächlich begehen – mit Zeit für Pausen, Fotos und das schlichte Staunen über das Zusammenspiel aus Menschenwerk und Alpinlandschaft. Das gesamte Ensemble ist nicht nur eine touristische Attraktion, sondern ein aktives Kraftwerk, das Österreich mit Strom versorgt. Genau diese Doppelnatur – Technikdenkmal und Naturerlebnis zugleich – macht den Besuch so besonders. Im Sommer öffnet die Bergstation für Wanderer, die von hier aus Touren Richtung Schmittenhöhe oder ins Kapruner Tal starten. Im Herbst, wenn die ersten Schneeflocken fallen und die Touristenzahlen sinken, liegt eine besondere Stille über den Seen, die kaum woanders zu finden ist.
Eine Kombination aus spektakulärer Bergkulisse und Ingenieurskunst: Gondelfahrt und Tunnelbus bringen Besucher auf über 2.000 Meter, wo ein Rundweg entlang zweier Stauseen, begehbare Staumauern und ein weites Alpenpanorama warten. Trittsicherheit und wetterangepasste Kleidung sind empfehlenswert.
Der Bau der Hochgebirgsstauseen Kaprun gehört zu den größten Infrastrukturprojekten Österreichs im 20. Jahrhundert. Die Planungen begannen bereits in den 1930er-Jahren; der eigentliche Bau zog sich unter schwierigsten Bedingungen durch die Kriegs- und Nachkriegsjahre. Tausende Arbeiter schufteten auf über 2.000 Metern Höhe, viele von ihnen unter Zwang. Die Staumauern – Limbergsperre, Moosersperre und Drossensperre – wurden zwischen den 1940er- und frühen 1950er-Jahren fertiggestellt und gelten als Symbole des österreichischen Wiederaufbaus. Das Kraftwerk liefert bis heute Strom für Österreich und ist damit nicht nur Denkmal, sondern lebendige Infrastruktur.
