Das Battistero San Giovanni ist der größte Rundbau seiner Art in Italien und bildet zusammen mit Dom und Schiefem Turm das Welterbe-Ensemble der Piazza dei Miracoli. 1152 begonnen und über mehr als ein Jahrhundert gebaut, vereint die Taufkirche zwei Epochen in einem Bauwerk: Der Unterbau ist von romanischer Strenge geprägt, während sich darüber das gotische Zierwerk der Pisano-Werkstatt entfaltet. Diese Schichtung macht das Baptisterium zu einem anschaulichen Lehrstück über den Wandel der Bauformen im Mittelalter. Im Inneren tragen schlichte Säulen die gewaltige Kuppelschale, deren Höhe und Weite den Raum bestimmen. Künstlerisches Schlüsselwerk ist die Marmorkanzel von Nicola Pisano aus dem Jahr 1260. Sie gilt als Wendepunkt der europäischen Bildhauerei: Mit ihren plastischen, an antike Vorbilder erinnernden Figuren markiert sie den Übergang zur Renaissance-Skulptur und nimmt eine Entwicklung vorweg, die erst Jahrhunderte später ihren Höhepunkt erreichen sollte. Für viele Besucher ist jedoch nicht die Architektur, sondern die Akustik der eindrücklichste Moment. Das Aufsichtspersonal führt sie in regelmäßigen Abständen vor: Ein einzelner gesungener Ton steht dank der besonderen Form des Raums sekundenlang als nachhallender Akkord im Gebäude, lange nachdem die Stimme verstummt ist. Dieser Effekt ist so verblüffend, dass er allein den Besuch lohnt. Das Baptisterium ist kostenpflichtig und lässt sich über Kombitickets gut mit dem benachbarten Dom und dem Camposanto verbinden. Wer das Ensemble der Piazza dei Miracoli erkunden möchte, sollte den Rundbau fest einplanen – nicht zuletzt, um die Akustikvorführung mitzuerleben.
Den Rundbau frontal von der Piazza mit Dom im Hintergrund aufnehmen.





























