Versailles ist mehr als das Schloss, das ihm den Namen gab – es ist eine ganze Stadt, die Ludwig XIV. ab dem 17. Jahrhundert aus sumpfigem Land stampfen ließ, um Hof und Regierung Frankreichs an einem Ort zu bündeln. Hinter der vergoldeten Gitterfront erstreckt sich das Château de Versailles mit dem berühmten Spiegelsaal (Galerie des Glaces), den Grands Appartements und der Schlosskapelle. Der Spiegelsaal, in dem 1919 der Friedensvertrag nach dem Ersten Weltkrieg unterzeichnet wurde, gehört zu den meistfotografierten Räumen Europas. Hinter dem Palast öffnet sich das Gartenreich von André Le Nôtre: streng geometrische Parterres, beschnittene Hecken, der Grand Canal und über tausend Springbrunnen, die an bestimmten Tagen im Sommer zu den Grandes Eaux Musicales mit barocker Musik erwachen. Wer dem Hauptschloss den Rücken kehrt und nach Westen geht, erreicht das Grand Trianon, das Petit Trianon und schließlich das Hameau de la Reine – jenes ländliche Dörfchen, das Marie-Antoinette als Rückzugsort anlegen ließ. Doch wer nur das Château abhakt, verpasst die zweite Stadt. Die schachbrettartig angelegten Quartiers Notre-Dame und Saint-Louis tragen noch heute die barocke Stadtplanung in ihren breiten Achsen. In der überdachten Markthalle Notre-Dame stapeln sich Käse, Austern und Gemüse; rund um den Potager du Roi, den ehemaligen Königlichen Gemüsegarten, liegen stille Alleen, und in den Höfen der einstigen Hofbeamten lässt sich die höfische Vergangenheit noch erahnen. Versailles liegt nur eine knappe halbe Stunde vom Pariser Zentrum entfernt und ist mit dem RER bequem erreichbar – und doch wirkt es wie ein eigenes, barock vermessenes Universum. Wer früh kommt oder über Nacht bleibt, erlebt die Königsstadt jenseits der Tagesgäste-Wellen: ruhiger, lebendiger und überraschend bürgerlich.




