Wer von Innsbruck aus die Hügel südöstlich der Stadt hinaufblickt, sieht Schloss Ambras wie eine steinerne Krone über dem Inntal thronen. Das Schloss, das Erzherzog Ferdinand II. von Österreich ab 1563 für seine Gemahlin Philippine Welser ausbauen ließ, ist kein nüchternes Herrschaftsgebäude – es ist ein Gesamtkunstwerk der Renaissance, das bis heute seinen ursprünglichen Sammlungscharakter bewahrt hat. Kaum ein anderes Schloss Europas vermittelt so unmittelbar, wie ein Fürst des 16. Jahrhunderts die Welt geordnet, gesammelt und zur Schau gestellt hat. Der Besuch beginnt am besten in der Unterschlossanlage, wo die berühmte Rüstkammer auf drei Sälen die Besucher empfängt. Hier reihen sich Harnische, Turnierrüstungen und Prunkwaffen aneinander – darunter Stücke, die einst Männern wie dem osmanischen Sultan oder europäischen Fürsten gehörten. Die schiere Dichte der Objekte ist beeindruckend, ohne je überwältigend zu wirken, weil die historische Raumstruktur erhalten geblieben ist. Man läuft buchstäblich durch Geschichte. Oben im Hochschloss erwartet die Besucher die Kunstkammer, Ferdinands legendäre Wunderkammer: Korallenskulpturen, Elfenbeinarbeiten, naturwissenschaftliche Kuriositäten und Kunsthandwerk aus aller Welt, zusammengetragen in einer Zeit, als Europa gerade begann, den Globus zu vermessen. Direkt daneben hängt die Porträtgalerie mit über 200 Bildnissen europäischer Herrscherfamilien – eine dynastische Bilderwelt, die von den Habsburgern bis zu den Medici reicht und als eine der ältesten Porträtsammlungen der Welt gilt. Den Schlossgarten sollte man sich für das Ende des Besuchs aufheben. Zwischen altem Baumbestand und Renaissanceterrassen öffnet sich ein Panorama auf Innsbruck und die umliegenden Berge, das in dieser Kombination aus Architektur und Alpenwelt kaum zu überbieten ist. Im Sommer finden hier Konzerte und Veranstaltungen statt, die dem Ort eine lebendige Note geben, ohne seinen historischen Charakter zu stören. Schloss Ambras ist ganzjährig geöffnet – mit Ausnahme des Novembers – und lässt sich gut mit einem Halbtagesausflug aus der Innsbrucker Innenstadt verbinden.
Besucher durchqueren mehrere historische Gebäudetrakte mit original erhaltenen Sammlungen. Die Rüstkammer im Unterschloss, die Kunstkammer und Porträtgalerie im Hochschloss sowie der Renaissancegarten bilden zusammen ein dichtes, gut zweistündiges Besuchserlebnis mit starkem historischem Charakter.
Schloss Ambras geht auf eine mittelalterliche Burganlage zurück, die Erzherzog Ferdinand II. von Österreich ab 1563 zu einem repräsentativen Renaissanceschloss ausbauen ließ – als Wohnsitz für seine Gemahlin Philippine Welser, die bürgerlicher Herkunft war. Ferdinand nutzte das Schloss zugleich als Ort für seine außergewöhnlichen Sammlungen: die Kunstkammer, die Rüstkammer und die Porträtgalerie. Diese Sammlungen blieben in Ambras erhalten und gelten heute als einzige vollständig am Originalort überlieferte Fürstensammlung der Renaissance in Europa.
