
◆ STADT · MADEIRA
Câmara de Lobos ist keine Kulisse, sondern ein arbeitender Hafen, der zufällig zum schönsten Madeiras geworden ist. In der geschützten Bucht – benannt nach den Mönchsrobben, den lobos-marinhos, die hier einst lagerten – drängen sich bunt bemalte Boote, an denen die Fischer ihre Netze flicken, während über ihnen die weißen Häuser bis an die Felskante klettern. 1950 setzte sich Winston Churchill hier an die Staffelei und hielt genau dieses Bild fest; eine Bronzetafel am Largo erinnert daran. Nur zehn Minuten westlich von Funchal und doch eine andere Welt: Hier wird abends Poncha gerührt, der Zuckerrohrschnaps mit Honig und Zitrone, der in diesen Bars seinen Ursprung hat, und über dem Ort fällt am Cabo Girão der Fels fast 600 Meter senkrecht ins Meer. Wer Madeira jenseits der Hotelzonen sucht, beginnt hier.

Der Name Câmara de Lobos – „Kammer der Robben“ – geht auf João Gonçalves Zarco zurück, den portugiesischen Seefahrer, der die Insel 1419 entdeckte und in der geschützten Bucht Kolonien von Mönchsrobben antraf. Es wurde eine der ersten Siedlungen Madeiras. Bis heute ist der Ort vor allem eines: ein Fischerhafen, der von der Pesca lebt. Nachts fahren die Boote auf den espada hinaus, den schwarzen Degenfisch, der nur in großer Tiefe vorkommt und in keiner Madeira-Küche fehlen darf – klassisch gebraten mit gebratener Banane. Am Morgen liegen die bunt bemalten Holzboote wieder im Hafen, und in den Tabernen am Largo wird der erste Poncha gerührt.
Über dem Hafen steigt das Land steil an. Wo unten noch Bananenstauden wachsen, übernehmen weiter oben die Weinparzellen von Estreito de Câmara de Lobos – terrassierte Hänge, aus denen ein erheblicher Teil der Trauben für den weltberühmten Madeirawein stammt. Noch höher, in Jardim da Serra, blühen im Frühjahr die Kirschbäume, und der englische Konsul Henry Veitch legte hier im 19. Jahrhundert einen Garten an, der einer ganzen Quinta ihren Namen gab. Den dramatischsten Punkt aber markiert das Cabo Girão westlich des Ortes: 580 Meter senkrechter Fels über dem Atlantik, gekrönt von einer gläsernen Aussichtsplattform, durch die man dem Meer direkt unter die Füße blickt.
Wer tiefer in die Berge zieht, erreicht das Curral das Freiras, den „Pferch der Nonnen“. In diesem fast kreisrunden Talkessel, von steilen Bergwänden umschlossen, versteckten im 16. Jahrhundert die Nonnen des Klosters Santa Clara ihren Schatz vor Piraten. Heute ist das Dorf berühmt für seine Esskastanien, die in Suppe, Likör und Kuchen verarbeitet werden. Vom Miradouro Eira do Serrado fällt der Blick wie aus einem Flugzeug auf die Häuser tief unten. travelperfect empfiehlt, Câmara de Lobos nicht als Fotostopp zwischen Funchal und Cabo Girão abzuhaken, sondern zu bleiben: einen Abend am Hafen, einen Poncha am Largo, einen Tag in den Bergen.
01 · Auf einen Blick
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02 · Was tun
Hafen & Churchill
Am Largo do Corpo Santo beginnt das alte Câmara de Lobos: die kleine Capela do Corpo Santo aus dem 16. Jahrhundert, in der die Fischerbruderschaft betete, die bemalten Boote im Naturhafen und der Punkt, an dem Winston Churchill 1950 seine Staffelei aufstellte. Dazwischen die Tabernen, in denen der erste Poncha des Tages gerührt wird – Zuckerrohrschnaps, Bienenhonig und Zitrone, kräftig mit dem caralhinho verrührt.
Steilküste & Aussicht
Westlich des Ortes ragt das Cabo Girão 580 Meter senkrecht aus dem Atlantik – eine der höchsten Steilküsten Europas. Auf der gläsernen Skywalk-Plattform blickt man unter den eigenen Füßen hinab auf die Fajãs, winzige Felder am Fuß der Klippe, die einst nur per Boot erreichbar waren. Ein zweiter Aussichtspunkt, der Miradouro Eira do Serrado, öffnet hoch oben den Blick in den Talkessel des Curral das Freiras.
Wein & Berge
Über dem Hafen steigen die Hänge in Weinterrassen an. In Estreito de Câmara de Lobos reifen die Trauben, aus denen ein großer Teil des Madeiraweins gekeltert wird; im Spätsommer beginnt hier die Lese. Noch höher, in Jardim da Serra, blühen im Frühjahr die Kirschbäume, und alte Quintas mit englischen Gärten erinnern an die Zeit der britischen Konsuln. Eine Levada-Wanderung verbindet die Parzellen auf flachen Wegen.
Tal der Nonnen
Tief in den Bergen liegt das Curral das Freiras, der „Pferch der Nonnen“ – ein fast kreisrunder Talkessel, in dem die Schwestern des Klosters Santa Clara einst ihren Besitz vor Piraten verbargen. Das Dorf ist berühmt für seine Esskastanien: Kastaniensuppe, Kastanienlikör und Bolo de castanha. Von oben, am Eira do Serrado, fällt der Blick fast senkrecht auf die Dächer im Tal.
03 · Wann
Madeira gilt als Insel des ewigen Frühlings: Die Temperaturen schwanken übers Jahr nur wenig, an der geschützten Südküste bei Câmara de Lobos bleibt es ganzjährig mild. Entscheidend ist weniger die Wärme als die Sicht – an den Bergen und am Cabo Girão hängen manchmal Wolken. Frühling und Herbst bieten die klarste Fernsicht und die angenehmste Mischung aus mildem Wetter und überschaubarem Andrang.
04 · Häufige Fragen
Sehr. Câmara de Lobos liegt nur rund 10 km westlich von Funchal und ist per Bus in etwa 20 Minuten oder per Taxi/Mietwagen noch schneller erreichbar. Für einen Tag reicht es, den Fischerhafen mit Churchills Malplatz und der Capela do Corpo Santo zu erkunden, in einer Bar einen Poncha zu probieren und anschließend zum nahen Cabo Girão zu fahren. Wer auch Curral das Freiras und die Weinhänge sehen will, plant besser einen ganzen Tag oder bleibt eine Nacht.
Das Cabo Girão westlich von Câmara de Lobos ist mit rund 580 Metern eine der höchsten Steilküsten Europas. Auf der Spitze gibt es eine gläserne Aussichtsplattform (Skywalk), durch deren Boden man fast senkrecht aufs Meer und die kleinen Felder am Fuß der Klippe blickt. Hinkommen kann man mit dem Mietwagen, dem Taxi oder einer organisierten Tour; ein Parkplatz und ein kleiner Besucherbereich liegen direkt am Aussichtspunkt.
Poncha ist das Nationalgetränk Madeiras und hat seinen Ursprung in den Fischerbars von Câmara de Lobos: Zuckerrohrschnaps (Aguardente de cana), Bienenhonig und frischer Zitronensaft, kräftig mit einem Holzquirl (caralhinho) verrührt. Ursprünglich tranken die Fischer sie gegen die Kälte auf See. Am authentischsten probiert man sie in den kleinen Tabernen rund um den Largo do Corpo Santo, oft begleitet von gegrillten Napfschnecken (lapas).
Allen voran espada com banana – der schwarze Degenfisch, hier nachts gefangen, gebraten und mit gebratener Banane serviert. Dazu die espetada, große Stücke Rindfleisch am Lorbeerholzspieß über Holzkohle gegrillt, und das bolo do caco, ein flaches Fladenbrot mit Knoblauchbutter. In den Bergen von Curral das Freiras dreht sich alles um die Esskastanie: Suppe, Likör und Kuchen. Begleitet wird das Ganze von Poncha oder einem Glas Madeirawein.
Als Standort für ein paar ruhige Tage auf Madeira eignet sich Câmara de Lobos gut. Ein bis zwei Tage genügen für Hafen, Cabo Girão und einen Bummel am Largo. Wer von hier aus die Weinhänge von Estreito, das Curral das Freiras und Wanderungen auf der Levada do Norte unternehmen möchte, plant drei bis vier Tage – Funchal ist als Tagesausflug ohnehin nur einen Katzensprung entfernt.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Câmara de Lobos.
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