Das Teatro Romano di Spoleto stammt aus dem 1. Jahrhundert nach Christus, als die Stadt unter dem Namen Spoletium ein wichtiges römisches Munizipium an der Via Flaminia war. Über Jahrhunderte verschwand die Anlage unter späteren Bauten und Erdaufschüttungen, ehe sie im 20. Jahrhundert systematisch freigelegt und restauriert wurde. Heute ist die halbrunde cavea – der gestufte Zuschauerraum – wieder weitgehend erlebbar und vermittelt eine klare Vorstellung von der Größe des antiken Spielorts. Die Geschichte des Theaters spiegelt die wechselvolle Antike der Stadt wider: Schon in römischer Zeit soll die Anlage Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen gewesen sein. In späteren Jahrhunderten überbauten Klosteranlagen das Gelände teilweise; das benachbarte Kloster Sant'Agata, das heute Teile der Sammlung beherbergt, zeugt von dieser Schicht der Nutzung. Unmittelbar an das Theater angeschlossen ist das Museo Archeologico Nazionale di Spoleto. Es zeigt Funde aus umbrischer, römischer und vorrömischer Zeit, die die lange Besiedlungsgeschichte der Region dokumentieren. Zu den herausragenden Stücken gehört die lex spoletina, eine in Stein gemeißelte antike Gesetzesinschrift, die den heiligen Hain auf dem Monteluco unter Schutz stellte und Eingriffe in den Wald mit Bußen belegte – ein seltenes Zeugnis frühen Umweltrechts. Eine besondere Rolle spielt das Theater während des Festival dei Due Mondi, des internationalen Kunstfestivals, das Gian Carlo Menotti 1958 in Spoleto gründete. Dann wird die antike cavea zur Bühne für Tanz, Schauspiel und Konzerte, und Gegenwartskunst trifft unmittelbar auf die römische Architektur. Das Theater liegt zentral an der Piazza della Libertà, sodass es sich gut mit einem Rundgang durch die Unterstadt verbinden lässt. Für den Besuch von Theater und Museum sollte man die saisonalen Öffnungszeiten beachten, da diese variieren.
Die halbrunde cavea von oben aufnehmen, um die Form zu zeigen






























