Wer durch die Bregenzer Innenstadt schlendert, landet früher oder später auf dem Kornmarktplatz – und versteht sofort, warum dieser Platz seit Jahrhunderten das städtische Leben organisiert. Schon der Name erzählt eine Geschichte: Hier wurde Korn gehandelt, wurden Preise ausgehandelt, wurden Geschäfte besiegelt. Die Luft über dem Pflaster trägt noch etwas von dieser langen Funktion als wirtschaftliches Nervenzentrum der Stadt.
Heute präsentiert sich der Kornmarktplatz als offener, von Gebäuden gesäumter Stadtplatz, der Bregenzer Alltag und Kulturbetrieb auf eigentümliche Weise verbindet. Das markanteste Gebäude am Platz ist das Kornhaus, ein stattlicher historischer Bau, der dem Platz seinen Namen verdankt und einst tatsächlich der Lagerung von Getreide diente. Heute beherbergt es das Vorarlberger Landestheater – ein Umstand, der den Charakter des Platzes grundlegend prägt. An Abenden, wenn das Theater Vorstellungen hat, belebt sich der Kornmarktplatz auf besondere Weise: Theaterbesucher treffen auf Einheimische, die auf dem Weg zum Abendessen sind, Touristen auf Stammgäste der umliegenden Lokale.
Das Besuchserlebnis beginnt am besten zu Fuß. Der Platz liegt zentral in der Bregenzer Unterstadt und ist von der Seepromenade sowie der Fußgängerzone aus bequem erreichbar. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt die architektonische Vielschichtigkeit: historische Fassaden stehen neben jüngeren Bauten, die die wechselhafte Stadtentwicklung von Bregenz sichtbar machen. Die Proportionen des Platzes laden zum Stehenbleiben ein – nicht zu groß, nicht zu eng, mit einer natürlichen Mitte, die sich als Aufenthaltsort anbietet.
Besonders reizvoll ist der Kornmarktplatz zu Marktzeiten, wenn Stände aufgebaut werden und das Treiben der Stadt spürbar wird. Auch kulturelle Veranstaltungen finden hier statt – der Platz dient als Bühne für das öffentliche Leben von Bregenz. Wer die Stadt verstehen will, sollte sich hier Zeit nehmen: einen Kaffee in einem der umliegenden Cafés trinken, die Passanten beobachten und die Atmosphäre auf sich wirken lassen, die entsteht, wenn Geschichte und Gegenwart denselben Boden teilen.