Wer von Lienz aus ostwärts fährt, passiert unscheinbare Felder und Wiesen, hinter denen sich eine der faszinierendsten archäologischen Stätten Österreichs verbirgt: Aguntum, einst eine florierende römische Stadtgemeinde, die heute als Freilichtmuseum zugänglich ist und Besuchern erlaubt, buchstäblich auf antikem Pflaster zu stehen.
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Aguntum war keine gewöhnliche Siedlung. Als einzige bekannte Munizipialstadt der römischen Provinz Noricum in Tirol besaß sie Stadtrecht – ein Privileg, das ihr Rang und Bedeutung innerhalb des Imperiums sicherte. Gegründet im ersten Jahrhundert nach Christus, erlebte die Stadt ihre Blütezeit in der frühen Kaiserzeit, bevor sie im Zuge der Völkerwanderung im fünften Jahrhundert aufgegeben wurde. Heute legen die freigelegten Mauerzüge, Mosaike und Kanalsysteme Zeugnis von einem städtischen Leben ab, das in seiner Komplexität überrascht.
Der Rundgang durch das Gelände führt Schritt für Schritt durch das ehemalige Stadtgefüge. Man erkennt die Grundrisse öffentlicher Gebäude, folgt den Resten von Straßen und entdeckt, wie durchdacht die römische Stadtplanung selbst in einer Alpengemeinde funktionierte. Besonders eindrücklich ist das rekonstruierte Stadthaus mit seinen erhaltenen Bodenmosaiken – ein Detail, das die abstrakte Vergangenheit plötzlich sehr konkret werden lässt. Das zugehörige Museum auf dem Gelände bettet die Funde in ihren historischen Kontext ein und zeigt Alltagsgegenstände, Inschriften und Skulpturen, die das Leben der einstigen Bewohner greifbar machen.
Der Besuch eignet sich gleichermaßen für Geschichtsinteressierte, Familien mit neugierigen Kindern und Reisende, die Lienz abseits der Bergkulisse erkunden möchten. Die Kombination aus Freiluftgelände und Museumsgebäude macht einen Aufenthalt von etwa anderthalb bis zwei Stunden sinnvoll. Wer sich vorab informieren möchte, findet Angaben zu Aguntum – Römerstadt Tickets und Aguntum – Römerstadt Öffnungszeiten auf der offiziellen Website.