Wer morgens früh durch das Trastevere-Viertel läuft, bevor die Touristen erwachen, erlebt Rom in seiner ehrlichsten Form: Kaffeegeruch aus offenen Bartrüren, das Klappern von Rollläden, eine Nonne auf dem Fahrrad. Die Stadt schläft nie wirklich, aber in diesen Stunden gehört sie sich selbst. Trastevere mit seinen ockergelben Fassaden und engen Kopfsteinpflastergassen ist nur eines der vielen Gesichter Roms – ein Viertel, das sich sein südliches Temperament bewahrt hat, obwohl längst die halbe Welt davon weiß.
Wer das Kolosseum zum ersten Mal sieht, ist selten auf die schiere Masse des Bauwerks vorbereitet. Kein Foto vermittelt, wie es sich anfühlt, vor dieser 2000 Jahre alten Arena zu stehen und sich vorzustellen, dass hier einst 50.000 Menschen Platz fanden. Wenige Gehminuten entfernt liegt das Forum Romanum, das einst politische Herzmitte eines Weltreichs war – heute eine Abfolge von Säulenstümpfen, Bögen und Pflastersteinen, über die Katzen schlendern. Der Palatinische Hügel darüber bietet einen der wenigen unverstellten Panoramablicke über die antike Stadtanlage.
Das Pantheon, errichtet unter Kaiser Hadrian und bis heute nahezu unversehrt, ist ein architektonisches Wunder: Das Licht fällt durch das kreisrunde Oculus in der Kuppel und wandert im Tagesverlauf wie ein stiller Zeiger durch den Raum. Auf der Piazza Navona, keine zehn Minuten zu Fuß entfernt, treffen Berninis Vierströmebrunnen und barocke Kirchenfassaden auf Straßenkünstler und Espresso-Trinker – ein Platz, der sich selbst inszeniert und dabei kaum je langweilig wirkt.
Die Vatikanischen Museen und die Sixtinische Kapelle verlangen Geduld: Die Schlangen sind lang, die Säle überfüllt. Wer früh bucht und früh erscheint, erlebt Michelangelos Deckenfresko in einer anderen Qualität – ruhiger, fast andächtig. Die Petersbasilika selbst übersteigt jeden Maßstab; die Kuppel, die Bernini-Kolonnade, der weite Platz davor – das ist kein Museum, sondern ein Ort, der noch immer religiösen Ernst ausstrahlt.
Abseits der großen Achsen lohnt sich das Viertel Pigneto für alle, die das junge, ungekämmte Rom suchen: Trattorien ohne Speisekarten in mehreren Sprachen, Bars mit selbstgemachten Aperitivi, Graffiti-Kunst an Brandmauern. Und wer verstehen will, wie die Stadt ihre Schichten trägt, sollte die Basilika San Clemente besuchen – ein Kirchenbau aus dem 12. Jahrhundert, unter dem eine frühchristliche Kirche aus dem 4. Jahrhundert liegt, und darunter ein römisches Mithräum. Drei Epochen, ein einziger Ort, zehn Minuten vom Kolosseum entfernt.

Trevi-Brunnen
Der größte Barockbrunnen Roms an der Mündung des antiken Aquädukts Aqua Virgo, 1762 nach Plänen Nicola Salvis vollendet und Schauplatz des berühmten Münzwurfs.
Größter und berühmtester Barockbrunnen Roms


















