Was Gäste besonders loben
Der Kern des Lobes ist eine Idee, die sonst niemand in Tokios Bankenviertel umsetzt: ein Ryokan mitten in Otemachi. Ab dem Eingang werden die Schuhe abgegeben, im Zimmer liegen Tatami, dazu raumhohe Schiebefenster mit Papierbespannung. Zwölf der 30 ausgewerteten Rezensionen loben das Onsen im obersten Stockwerk, aus dem man über die Dächer der Stadt schaut. Der Service wird 16-mal positiv genannt, oft mit Namen einzelner Mitarbeitender und konkreten Situationen. Praktisch punktet das Haus mit der Anbindung: Bahnhof Tokio in unter zehn Gehminuten, U-Bahn Otemachi in etwa drei, dazu Tee- und Kaffeestationen mit Süßigkeiten auf jeder Etage rund um die Uhr und ein Kenjutsu-Training auf dem Dach.
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Woran sich die Geister scheiden
Die Gastronomie ist die klar erkennbare Schwachstelle: Essen und Frühstück bekommen je drei kritische Nennungen bei nur fünf beziehungsweise drei positiven. Mehrere Gäste beschreiben dasselbe Bild – Restaurant im Untergeschoss ohne Tageslicht, Frühstück nur mit vorheriger Reservierung, mittags eine sehr kurze Karte, Zimmerservice mit frühem Annahmeschluss, keine Bar. Wer nicht vorbestellt, bekommt laut einem Bericht nur eine einfache Nudel- oder Reisschale. Zweiter Reibungspunkt ist der lange Aufenthalt. Ein Gast, der eine Woche blieb, nennt kostenpflichtigen Bettwäschewechsel und die tägliche Schuhprozedur als ermüdend. Dazu kommen zwei Beschwerdefälle, in denen Kosten für einen Schaden beziehungsweise eine telefonisch zugesagte Stornierung doch berechnet wurden.
Tipps aus den Bewertungen
Bestelle deine Mahlzeiten im Voraus – Frühstück ebenso wie Abendessen. Das ist der wirksamste Hebel gegen die häufigste Enttäuschung im Sample, und es lohnt sich, für ein oder zwei Abende bewusst außerhalb zu reservieren, Ginza und der Ostgarten des Kaiserpalasts liegen zu Fuß erreichbar. Kläre die Anfahrt vorher: Es gibt keine Beschilderung an der Straße, und die Zufahrt für Taxis liegt in der Tiefgarage. Mehrere Gäste beschreiben, dass Fahrer das Haus nicht kannten. Zieh die im Zimmer bereitliegende Loungekleidung an, bevor du zum Frühstück oder ins Bad gehst; das raten mehrere Rezensionen. Und dokumentiere bei der Ankunft den Zustand des Zimmers – dazu gibt es einen konkreten Streitfall in den Bewertungen.
Für wen das Haus passt
Für ein bis zwei Nächte funktioniert das Konzept nach übereinstimmender Aussage sehr gut: Wer einmal in Tokio auf Tatami schlafen, in ein echtes Thermalbad über der Skyline steigen und trotzdem in Gehweite von Bahnhof und Ginza wohnen will, findet hier ein Erlebnis, das es sonst nicht gibt. Für längere Aufenthalte, für Reisende mit kleinen Kindern und für alle, die abends spontan essen oder etwas trinken gehen wollen, sprechen die Rezensionen deutlich dagegen – genau daran hängen die schwachen Wertungen. Und der Preis ist hoch genug, dass mehrere sonst zufriedene Gäste ihn eigens als Warnung erwähnen.



