Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Girona
Das historische Zentrum passt in einen Kreis von gut einem Kilometer – der Aufwand steckt nicht in der Entfernung, sondern in den Höhenmetern.
Der Bezugspunkt für alles Weitere ist die Kathedrale Santa Maria. Von der Plaça de la Catedral führt eine barocke Freitreppe mit rund neunzig Stufen hinauf zur Fassade, und oben wartet der eigentliche Superlativ: ein einziges Schiff von knapp 23 Metern Breite, das ohne Seitenschiffe auskommt und damit als breitestes gotisches Kirchenschiff der Welt gilt. Über Jahrhunderte wuchs der Bau in Etappen, weshalb an der Nordseite noch der romanische Kreuzgang mit seinen erzählfreudigen Kapitellen steht. Was du dort keinesfalls auslassen solltest, ist die Schatzkammer mit dem Tapís de la Creació, einer romanischen Stickerei, die den Schöpfungsbericht in konzentrischen Kreisen ausbreitet, sowie dem Beatus-Codex aus dem 10. Jahrhundert mit seinen leuchtenden Apokalypse-Miniaturen. Gleich neben der Treppe zeigt das Museu d'Art im ehemaligen Bischofspalast mittelalterliche Tafelmalerei und Skulptur aus der ganzen Region.
Ein paar Höhenmeter tiefer, am nördlichen Ende der Altstadt, steht die Basílica de Sant Feliu mit ihrem markant abgeschlagenen Glockenturm, dessen Spitze nach einem Blitzschlag im 16. Jahrhundert nie wieder aufgesetzt wurde. Im Inneren sind acht frühchristliche und römische Sarkophage in die Wände des Presbyteriums eingelassen, dazu liegen hier die Gebeine des Stadtpatrons Sant Narcís, um den sich die bekannteste Legende Gironas rankt: Als französische Truppen im Mittelalter sein Grab schändeten, sollen Schwärme von Fliegen daraus hervorgekommen sein und die Belagerer vertrieben haben. Vor der Kirchentreppe steht auf einer Säule die Lleona, eine steinerne Löwin – wer der Tradition folgt und ihr Hinterteil küsst, kehrt angeblich nach Girona zurück. Die Kopie sitzt weit oben auf ihrer Säule, du musst also hinaufklettern – dafür gibt es eine Stufe am Sockel, und genau dieses Bild machen hier alle.
Am Fluss selbst liegt das meistfotografierte Motiv der Stadt. Die Cases de l'Onyar stehen mit den Rückseiten direkt im Flussbett, ihre Farbigkeit in Ocker, Rost, Gelb und gebrochenem Rot geht auf einen Sanierungsplan der 1980er-Jahre zurück, für den Künstler und Architekten gemeinsam eine Palette festlegten. Betreten kannst du nur eines dieser Häuser: die Casa Masó in der Carrer de les Ballesteries, Geburtshaus des Architekten Rafael Masó, der Girona im frühen 20. Jahrhundert seinen noucentistischen Stempel aufdrückte. Die Räume sind komplett möbliert erhalten, und von der Galerie schaust du direkt aufs Wasser. Zwischen den Häuserzeilen spannt sich der leuchtend rote Pont de les Peixateries Velles, 1877 von Gustave Eiffels Werkstatt geliefert – das Fachwerk der Brücke rahmt den Blick auf die Kathedrale so präzise, als wäre es dafür gebaut worden.
Nach oben gehört der Passeig de la Muralla, der begehbare Wehrgang auf der mittelalterlichen Stadtmauer, und nach unten die Banys Àrabs, eine Badeanlage des späten 12. Jahrhunderts mit achteckigem Becken unter einer Lichtlaterne. Nördlich davon, jenseits des Bachs Galligants, steht das romanische Kloster Sant Pere de Galligants, das heute die archäologische Sammlung Kataloniens beherbergt. Wer Museen mag oder in einen Regentag gerät, findet in der Carrer de la Força das Museu d'Història de Girona, untergebracht in einem ehemaligen Kapuzinerkonvent mit den steinernen Nischen des alten Konventsfriedhofs im Keller, und auf der anderen Flussseite das Museu del Cinema mit einer der besten europäischen Sammlungen zur Vorgeschichte des Films – Laterna magica, Schattenspiele, frühe Projektoren.














