
Was ist Flygskam? Flugscham im Zeitalter des Klimawandels
Flygskam bezeichnet das Schamgefühl beim Fliegen aufgrund der Klimaauswirkungen. Wir erklären die in diesem Beitrag Ursprung, Bedeutung und Auswirkungen der schwedischen Bewegung.
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Tågskryt bezeichnet den schwedischen Zugstolz - das bewusste Angeben mit nachhaltigen Zugreisen als Antwort auf die Flugscham-Bewegung.
Tågskryt ist ein schwedischer Begriff, der wörtlich "Zug-Bragging" oder "Zugstolz" bedeutet. Der Begriff setzt sich aus tåg (Zug) und skryt (Prahlen/Angeben) zusammen und beschreibt das bewusste öffentliche Zurschaustellen von Zugreisen in sozialen Medien. Es entstand 2019 als positive Gegenbewegung zur Flugscham (flygskam) und macht nachhaltiges Reisen zum Statussymbol.
Der Begriff wurde am 25. Februar 2019 von Emanuel Karlsten in einem Kommentar der Göteborgs-Posten erstmals verwendet. Während flygskam das Fliegen stigmatisiert, dreht tågskryt den Spieß um und macht Bahnreisen zu etwas, womit man sich brüsten kann. #tågskryt eroberte schnell Instagram und Twitter.
Tågskryt lebt von der Inszenierung. Reisende posten Zug-Selfies, fotografieren ihre Tickets oder teilen Bahnhofs-Impressionen mit dem Hashtag #tågskryt. Die Botschaft ist klar: "Schaut her, ich reise klimafreundlich und bin stolz darauf!"
Besonders lange Zugstrecken gelten als ultimativer Luxus. Warum? Weil sie bewusst Zeit zum Entschleunigen bieten. Während andere hektisch zum Flughafen hetzen, genießt der tågskryt-Reisende entspannt die Landschaft. Diese Zeit wird nicht als Verlust, sondern als Gewinn präsentiert.
Die soziale Komponente ist entscheidend. Tågskryt erzeugt positiven Gruppendruck und motiviert andere, ebenfalls klimafreundlich zu reisen. Es ist eine Art sanfte Missionierung durch Vorbildfunktion.
In Schweden zeigten sich messbare Effekte: Die Bahnnutzung stieg, während Inlandsflüge um 9% zurückgingen. Das Phänomen breitete sich über Skandinavien hinaus aus. Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz entstanden ähnliche Bewegungen.
Große Bahnunternehmen wie die SNCF griffen das Konzept auf und integrierten es in ihre Marketingstrategien. Plötzlich warben sie nicht mehr nur mit Geschwindigkeit und Komfort, sondern auch mit dem guten Gewissen ihrer Passagiere.
Tågskryt verstärkte die gesamte Debatte um klimafreundliche Mobilität und beförderte politische Forderungen nach besserem Infrastrukturausbau. Wenn Zugfahren cool ist, muss auch das Angebot stimmen.
Falls du selbst tågskryt betreiben möchtest, solltest du authentisch bleiben. Teile echte Erlebnisse, nicht nur perfekt inszenierte Fotos. Erzähle von interessanten Begegnungen im Zug, besonderen Landschaften oder dem Gefühl der Entschleunigung.
Zeige auch die Realität: Verspätungen, überfüllte Züge oder teure Tickets gehören dazu. Ehrlichkeit macht dein tågskryt glaubwürdiger als geschönte Darstellungen.
Vermeide den erhobenen Zeigefinger. Tågskryt funktioniert am besten, wenn es Lust auf Zugreisen macht, statt anderen ein schlechtes Gewissen zu bereiten. Inspiration statt Vorwürfe lautet die Devise.
Nicht alle sehen tågskryt positiv. Kritiker bemängeln das elitäre Image - schließlich können sich nicht alle zeitaufwändige Zugreisen leisten. Während sich gut situierte Großstädter mit ihrer Nachhaltigkeit brüsten, sind andere auf schnelle und günstige Verkehrsmittel angewiesen.
Hinzu kommt die Verfügbarkeitslücke: Bahnangebote sind nicht überall konkurrenzfähig. Wer von München nach Stockholm reist, braucht mit dem Zug deutlich länger als mit dem Flugzeug. Tågskryt funktioniert hauptsächlich dort, wo gute Bahnverbindungen existieren.
Die Gefahr von Greenwashing ist real. Einzelne Akteure könnten tågskryt für Marketing missbrauchen, ohne echte Nachhaltigkeitsleistungen zu erbringen. Wenn aus einem authentischen Trend ein hohler Werbeslogan wird, verliert er seine Glaubwürdigkeit.
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