Der Orientexpress ist einer der berühmtesten Züge der Eisenbahngeschichte – ein rollender Palast, der ab 1883 Paris mit Istanbul verband und das Reisen mit der Bahn in ein glamouröses Erlebnis verwandelte. Weit mehr als ein Transportmittel wurde er zur Legende: Symbol einer Epoche, in der das Reisen selbst als Höhepunkt galt. Agatha Christies Roman „Mord im Orientexpress" machte ihn weltweit unsterblich und fügte seiner Geschichte eine literarische Dimension hinzu, die bis heute nachwirkt.
Warum das für Reisende wichtig ist
Der Orientexpress steht für eine Reisekultur, die heute kaum noch existiert: langsam, luxuriös und mit vollem Bewusstsein für den Weg. In Zeiten von Billigflügen und Massentourismus verkörpert er das Gegenteil – exklusives, entschleunigtes Reisen mit Stil. Wer sich für Jetset-Reisen und die Geschichte der globalen Reiseelite interessiert, kommt am Orientexpress nicht vorbei. Er prägte das Bild des mondänen Fernreisenden nachhaltig und beeinflusste, wie Luxus auf Schienen bis heute gedacht wird.
Auch für Bahnreisende, die moderne Alternativen wie den Nightjet der ÖBB erkunden, liefert der Orientexpress den historischen Referenzrahmen: Er zeigte, was Schlafwagen und Speisewagen leisten können, wenn sie auf höchstem Niveau betrieben werden.
In der Praxis
Den originalen Orientexpress in seiner klassischen Form – als planmäßiger Linienzug von Paris nach Istanbul – gibt es nicht mehr. Der letzte reguläre Direktzug dieser Route fuhr im Jahr 2009. Wer heute „mit dem Orientexpress fahren" möchte, nutzt das Angebot des Venice Simplon-Orient-Express (VSOE), betrieben von Belmond. Dieser restaurierte Luxuszug fährt von London oder Paris über die Alpen nach Venedig, Wien oder Istanbul und bietet originalgetreue Holzpaneel-Abteile, weiß gedeckte Speisewagentische und aufwendig restaurierte Schlafwaggons aus den 1920er- bis 1940er-Jahren.
Eine Fahrt im Venice Simplon-Orient-Express ist entsprechend exklusiv kalkuliert: Eine Nacht im Zug kostet je nach Strecke, Saison und Kabinenklasse mehrere tausend Euro pro Person. Grand Suites, die zu den aufwendigsten Schlafwagen-Abteilen der Welt zählen, liegen an der oberen Preisgrenze. Die Fahrt von London nach Venedig dauert rund 24 Stunden, eine Route nach Istanbul kann mehrere Tage in Anspruch nehmen.
Neben dem VSOE betreibt Accor seit 2023 die Marke Orient Express neu: Geplant sind weitere Luxuszüge unter diesem Namen, darunter eine französische Eigenentwicklung namens „La Dolce Vita" – der Begriff Orient Express wird also künftig auf mehrere Angebote verteilt.
Worauf du achten solltest
- Kleidungsordnung: Der Venice Simplon-Orient-Express erwartet abends formelle Kleidung im Speisewagen – Jeans und Sneaker sind tagsüber toleriert, zum Abendessen jedoch deplatziert. Ein elegantes Outfit gehört zum Erlebnis dazu.
- Frühzeitig buchen: Populäre Routen und Reisedaten sind oft Monate im Voraus ausgebucht. Wer eine bestimmte Strecke plant, sollte sich frühzeitig einen Überblick über verfügbare Kabinen und Preise verschaffen.
- Markenverwechslung vermeiden: Nicht jeder Zug, der heute „Orient Express" im Namen trägt, entspricht dem historischen Vorbild. Die Angebote unterscheiden sich erheblich in Komfort, Route und Preis.
- Speisewagen-Erlebnis einplanen: Ein Großteil des Erlebnisses spielt sich am gedeckten Tisch ab – ein Panoramawagen sucht man vergebens, doch die Kabinenfenster und das Ambiente der Restaurantwagen entschädigen vollständig.
Tipps
- Wähle die Strecke nach dem Erlebniswert, nicht nur nach dem Ziel: Die Alpenquerung im Morgengrauen gilt als Highlight.
- Plane eine Literaturreise auf den Spuren von Agatha Christie rund um die Zugfahrt – Istanbul, Venedig und Paris bieten dafür ideale Kulissen.
- Informiere dich über saisonale Sonderfahrten zu Weihnachten oder Silvester, die thematisch besonders aufwendig gestaltet werden.
- Buche Kabinen mit eigenem Waschraum, sofern das Budget es erlaubt – auf mehrtägigen Fahrten macht dieser Komfort einen spürbaren Unterschied.