Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf Ios
Die Höhepunkte der Insel liegen an drei Enden – oben im Dorf, unten am Hafen und ganz im leeren Norden.
Die wichtigste Sehenswürdigkeit von Ios ist die Chora selbst, und zwar als Ganzes. Das Dorf steht als denkmalgeschützte Siedlung unter Schutz und ist in seinem Kern autofrei, weshalb es sich anders anfühlt als die durchgestylten Gassenlabyrinthe anderer Kykladeninseln: gepflasterte Treppenläufe, weiß gekalkte Würfelhäuser, Gewölbedurchgänge, dazwischen immer wieder eine winzige Kapelle, die zwischen zwei Wohnhäuser geklemmt wurde. Von der Platia aus führt jeder Weg irgendwann nach oben zur Panagia Gremiotissa, einer Kirche von 1797 mit blauer Kuppel und einer einzelnen Palme davor, an der das Dorf endet und der Blick über die offene Ägäis beginnt. Ein Stück weiter auf dem Rücken stehen die restaurierten Turmwindmühlen, dahinter das marmorne Freilichttheater, das nach dem Nobelpreisträger Odysseas Elytis benannt ist und mit seinen Sitzstufen für über tausend Zuschauer über der ganzen Bucht schwebt.
Unten in der Ebene zwischen Hafen und Chora liegt der archäologisch bedeutendste Ort der Insel, den die meisten Gäste nie betreten. Skarkos ist eine frühbronzezeitliche Siedlung auf einem flachen Hügel, deren zweigeschossige Häuser, Gassen und Entwässerungsrinnen so vollständig erhalten sind, dass sie als die am besten bewahrte Anlage ihrer Zeit in den Kykladen gilt; für die Ausgrabung und die behutsame Erschließung mit Holzstegen gab es den Europa-Nostra-Preis. Man läuft in einer Dreiviertelstunde hindurch, versteht dabei aber besser als in jedem Museum, wie in der Ägäis zur Blütezeit der frühkykladischen Kultur gewohnt und gearbeitet wurde. Die Funde selbst – Marmorgefäße, Werkzeuge, Keramik – stehen im kleinen Archäologischen Museum oben in der Chora, das sich gut mit einem Regentag oder einer heißen Mittagsstunde verbindet.
Der dritte Punkt liegt ganz im Norden und ist eine Fahrt für sich. Über der Bucht von Plakotos, dort wo die Insel in kahle Rücken ausläuft, stehen die Reste eines hellenistischen Turms, und daneben markiert eine schlichte umfriedete Fläche den Ort, den Ios als Grab Homers ausweist. Antike Quellen berichten, der Dichter sei auf der Rückreise von Samos auf Ios gestorben und hier begraben worden; die Insel führt den Anspruch bis heute im Wappen. Beweisen lässt sich das nicht, und genau darin liegt der Reiz des Ortes: kein Museumsbau, kein Kassenhäuschen, nur Wind, Trockenmauern, Ziegen und ein Blick über offenes Meer bis zu den Silhouetten der Nachbarinseln. Die letzten Kilometer der Zufahrt sind je nach Zustand rau, ein Roller reicht bei trockenem Wetter, aber fahr nicht bei Dunkelheit zurück.
Bleiben die Kirchen. Ios ist klein und trägt trotzdem eine dreistellige Zahl von Kapellen, viele davon Familienstiftungen, die einmal im Jahr zum Namenstag geöffnet und danach wieder verschlossen werden. Die bekannteste liegt weit weg vom Dorf: Agia Theodoti steht an der gleichnamigen Bucht an der Nordostküste, gilt als eine der ältesten Kirchen der Insel und soll auf den Fundamenten eines antiken Tempels errichtet worden sein. Oberhalb des Tals kleben die Mauerreste des venezianischen Palaiokastro an einem Felsrücken, um das sich eine Piratengeschichte rankt, die dir jeder Einheimische anders erzählt. Der Aufstieg dauert eine gute halbe Stunde, ist ungeschützt und lohnt vor allem am frühen Morgen – oben hast du die komplette Ostküste vor dir und mit ziemlicher Sicherheit niemanden sonst.











