Region · Schweden

Lappland

Ganz im Norden Schwedens, jenseits des Polarkreises, liegt ein Land aus Fjäll, Rentierpfaden und Winterhimmeln, über die das Nordlicht zieht.

Die Region

Was Lappland ausmacht

Schwedisch Lappland ist der arktische Norden des Landes: eine dünn besiedelte Weite aus baumlosen Fjäll, endlosen Wäldern, gefrorenen Seen und dem Sápmi, der Heimat der Samen mit ihren Rentierherden. Über Kiruna, der nördlichsten Stadt Schwedens, ragen die Fördertürme der größten Untertage-Eisenerzmine der Welt, während sich die Innenstadt gerade Kilometer für Kilometer nach Osten verschiebt. Nur eine Bahnstunde weiter öffnet sich der Abisko-Nationalpark mit dem markanten Lapporten und dem Torneträsk-See, dessen Regenschatten für einen der klarsten Nachthimmel Europas sorgt – ein Grund, warum Abisko als einer der besten Orte der Welt gilt, um die Polarlichter zu sehen. Dazu Kebnekaise, Schwedens höchster Berg, der Fernwanderweg Kungsleden, das Icehotel in Jukkasjärvi und im Sommer die Mitternachtssonne, die wochenlang nicht untergeht. Eine Region für lange Tage, klare Nächte und viel Stille.

Reiseführer

Lappland von A bis Z

Aktualisiert Juli 2026

Es ist kurz nach acht am Abend, minus achtzehn Grad, und der Schnee unter den Stiefeln quietscht bei jedem Schritt wie Styropor. Über dem gefrorenen Torneträsk hängt zuerst nur ein blasser grauer Schleier – und dann, ganz plötzlich, beginnt er zu leuchten und zu wandern, grün und an den Rändern violett, quer über den halben Himmel. Lappland verkauft dir kein Nordlicht auf Bestellung. Es lässt dich warten, frieren und den Kopf in den Nacken legen, bis der Himmel selbst entscheidet, dass es so weit ist.

Polarlichter

Polarlichter in Lappland – wann und wo du das Nordlicht siehst

Das Nordlicht ist der Grund, aus dem die meisten im Winter nach Lappland kommen – und der Grund, aus dem manche mit leeren Händen wieder abreisen.

Polarlichter in Lappland – wann und wo du das Nordlicht siehst
Polarlichter

Zuerst das Nüchterne: Polarlichter sind ein Naturphänomen, kein Programmpunkt, den man bucht. Sie entstehen, wenn geladene Teilchen der Sonne in der oberen Atmosphäre auf Sauerstoff und Stickstoff treffen, und sie leuchten nur, wenn zwei Dinge zusammenkommen – ein dunkler Himmel und aktive Sonnenwinde. In Schwedisch Lappland reicht die Saison etwa von Mitte September bis Ende März, mit den langen, dunklen Nächten des Hochwinters als Kernzeit. Im Sommer, unter der Mitternachtssonne, siehst du dagegen gar nichts, auch wenn oben genauso viel los ist – es ist schlicht zu hell.

Der beste Ort ist kein Geheimnis: Abisko, rund hundert Kilometer nordwestlich von Kiruna am Torneträsk-See. Die norwegischen Berge im Westen fangen die feuchte Atlantikluft ab, sodass über Abisko oft ein klarer Fleck Himmel steht, während es ringsum bewölkt ist – Einheimische nennen es das blaue Loch. Genau deshalb gilt der Ort als einer der verlässlichsten Aurora-Plätze der Welt. Von der Aurora Sky Station auf dem Berg Nuolja, die du per Sessellift erreichst, blickst du weit über den See, fern jeder Straßenlaterne, mit warmem Aufenthaltsraum im Rücken.

Für die Praxis heißt das vor allem: Zeit mitbringen. Plane mindestens drei, besser vier oder fünf Nächte am Stück ein, denn selbst am klarsten Ort gibt es bewölkte Abende, an denen einfach nichts geht. Lade dir eine App mit dem sogenannten Kp-Index und der Wolkenvorhersage aufs Handy und sei bereit, spätabends noch einmal rauszugehen, wenn es aufreißt. Geführte Nordlichttouren mit Kleinbus lohnen sich, weil die Guides die Wetterlage lesen und dich gezielt zu einem klaren Flecken fahren – oft über die Grenze bis dorthin, wo der Himmel offen ist.

Und dann die ehrliche Erwartungshaltung: Das, was du auf Fotos siehst, ist eine Langzeitbelichtung. Das bloße Auge nimmt schwache Auroren eher als milchig-graues Wabern wahr, das erst bei starker Aktivität in kräftiges Grün mit violetten und roten Säumen umschlägt. Wenn es dann aber richtig loslegt und der ganze Himmel in Bändern pulsiert und tanzt, verstehst du, warum Menschen dafür bei minus zwanzig Grad stundenlang im Schnee stehen. Stell die Kamera auf Stativ, lange Belichtung, hohe ISO – aber schau vor allem mit den eigenen Augen hoch.

Sehenswürdigkeiten

Die schönsten Sehenswürdigkeiten in Schwedisch Lappland

Die großen Sehenswürdigkeiten Lapplands sind selten Bauwerke – es sind Berge, Seen und eine Stadt, die gerade umzieht.

Das bekannteste Wahrzeichen der Region steht nicht auf, sondern in der Landschaft: Lapporten, das Tor Lapplands, ein perfekt u-förmiges Gletschertal über dem Torneträsk bei Abisko. Die Samen nennen es Tjuonavagge, und schon von der Bahnstation und vom Ufer des Sees aus rahmt es den Blick nach Süden. Es ist eines der meistfotografierten Motive Nordschwedens, im Sommer über grüner Tundra, im Winter als weiße Silhouette gegen den dämmrigen Himmel. Ein festes Ziel für jeden ersten Tag in der Gegend.

In Kiruna selbst besichtigst du zwei Dinge, die es so nirgends gibt. Die hölzerne Kiruna-Kirche von 1912, lange zu Schwedens schönstem Gebäude gewählt, wurde im August 2025 im Ganzen an ihren neuen Standort gerollt, weil die Erzmine den alten Untergrund untergräbt – während sich die übrige Zentrumsverlagerung noch über Jahre zieht. Und die Mine selbst, die LKAB-Grube, lässt sich auf geführten Touren mehrere hundert Meter unter Tage besuchen – ein Bergwerk, das noch in Betrieb ist und das eine ganze Stadt zwingt, Kilometer weit nach Osten umzuziehen. Beides erzählt dieselbe Geschichte von Eisen, Geld und Bewegung.

Rund siebzehn Kilometer östlich liegt Jukkasjärvi mit dem Icehotel, dem ersten Eishotel der Welt. Auch wer nicht auf Rentierfellen bei Minusgraden schläft, kann die Eiskunst tagsüber besichtigen: Jede Suite wird von anderen Künstlern gestaltet, aus Eisblöcken des Torne-Flusses gesägt, und im Frühjahr schmilzt alles wieder dahin. Direkt daneben steht die alte Holzkirche von Jukkasjärvi aus dem frühen 18. Jahrhundert (1726), an deren Stelle schon 1607 eine erste Kapelle stand, eine der ältesten der Region und ein stiller Kontrast zum kühlen Glanz der Eisräume nebenan.

Wer weiter blickt, findet die eigentlichen Höhepunkte in der Wildnis: Kebnekaise, mit rund 2100 Metern der höchste Berg Schwedens, dessen Südgipfel einen schrumpfenden Gletscher trägt; die weglose Bergwelt des Sarek-Nationalparks, eines der letzten großen Wildnisgebiete Europas; und die endlosen Fjäll entlang des Kungsleden. Diese Ziele sind keine Halbtagesausflüge, sondern verlangen Planung, Ausrüstung und Respekt vor dem Wetter – dafür stehst du dort in einer Weite, in der du stundenlang keinem Menschen begegnest.

Kiruna

Kiruna, Schwedens nördlichste Stadt am Rand der Erzmine

Kiruna ist die einzige Stadt der Welt, die sich Straße für Straße von der Stelle bewegt, an der man sie gebaut hat.

Kiruna, Schwedens nördlichste Stadt am Rand der Erzmine
Kiruna

Kiruna entstand um 1900 aus einem einzigen Grund: Unter dem Berg Kiirunavaara liegt eines der größten zusammenhängenden Eisenerzvorkommen der Erde, und das Bergbauunternehmen LKAB baut es bis heute ab. Die Stadt wuchs mit der Mine, lebt von ihr – und muss nun genau deshalb weichen. Weil der Abbau immer tiefer und näher unter die Innenstadt reicht, sinkt der Untergrund langsam ab. Die Lösung ist so radikal wie einzigartig: Das gesamte Zentrum wird rund drei Kilometer nach Osten verlegt.

Für Reisende macht das Kiruna zu einem seltsam faszinierenden Ort im Umbruch. Ein neues Stadtzentrum mit modernem Rathaus, dem markanten Turm und neuen Wohnvierteln ist bereits in Betrieb, während der alte Kern nach und nach zurückgebaut wird. Ausgewählte historische Gebäude werden nicht abgerissen, sondern auf Transportplattformen im Ganzen an den neuen Standort gefahren – die geliebte Holzkirche wurde 2025 als erstes bereits umgesetzt, weitere Bauten folgen nach und nach. Es lohnt sich, beide Teile anzuschauen und sich vor Ort erklären zu lassen, wie eine Stadt so etwas organisiert.

Kiruna ist außerdem dein logisches Basislager für den ganzen Norden. Vom Flughafen KRN sind es nur rund fünfzehn Minuten in die Stadt, der Bahnhof liegt an der Erzbahn Richtung Abisko und Narvik, und von hier starten die meisten Touren: zum Icehotel nach Jukkasjärvi, zu den Huskyfarmen im Umland, in die Fjäll rund um den Kebnekaise. Übernachtungen, Ausrüstungsverleih und Supermärkte findest du in der Stadt gebündelt – vieles andere im Umkreis ist einsam und weit auseinander.

Nimm dir Zeit für die Bergwerkstour der LKAB, auch wenn Industrie zunächst nicht nach Urlaub klingt. Mit dem Bus geht es Serpentinen hinab in ein Besucherbergwerk mehrere hundert Meter unter Tage, wo Maschinen, Stollen und die schiere Dimension des Abbaus greifbar werden. Erst dort begreift man, warum dieser Ort existiert, warum Schweden an ihm festhält und warum eine ganze Stadt lieber umzieht, als die Grube aufzugeben. Buche die Tour vorab, die Plätze sind begrenzt und im Winter gefragt.

Abisko-Nationalpark

Abisko-Nationalpark – das blaue Loch und der Start des Kungsleden

Wenig Gepäck, viel Himmel: Abisko ist im Winter Nordlicht-Wallfahrtsort und im Sommer das Tor in die schwedischen Fjäll.

Abisko-Nationalpark – das blaue Loch und der Start des Kungsleden
Abisko-Nationalpark

Der Abisko-Nationalpark liegt am Südufer des Torneträsk, rund hundert Kilometer nordwestlich von Kiruna und direkt an Bahn und Straße Richtung norwegischer Grenze. Er ist einer der ältesten Nationalparks Schwedens und verdankt seinen Ruf einer meteorologischen Laune: Die hohen Berge im Westen schirmen die feuchte Atlantikluft ab, sodass es hier auffällig oft klar und trocken bleibt. Genau dieses beständige blaue Loch macht Abisko im Winter zum weltweit gefragten Beobachtungsplatz für Polarlichter.

Herzstück ist die Aurora Sky Station auf dem Hausberg Nuolja. Ein Sessellift bringt dich am Abend hinauf zu einem Aussichtspunkt und einem beheizten Gebäude weit über dem See, wo dich keine Lichtverschmutzung stört. Tagsüber und im Sommer nutzt du denselben Lift für den Aufstieg in die Höhenwege – oben eröffnet sich der Blick über den langgestreckten Torneträsk bis hinüber zu Lapporten, dem u-förmigen Tal, das die ganze Region wie ein Wahrzeichen überragt.

Im Sommer verwandelt sich Abisko vom Nordlicht- in einen Wanderort. Hier beginnt der Kungsleden, Schwedens berühmtester Fernwanderweg, der sich über gut 440 Kilometer nach Süden bis Hemavan zieht. Die klassische Nordetappe von Abisko über die Berghütten des Schwedischen Touristenvereins nach Nikkaluokta führt in wenigen Tagen durch Birkenwald, über Hochplateaus und am Fuß des Kebnekaise vorbei. Die Hütten sind einfach, aber verlässlich – ein sanfter Einstieg in die Weite, für den du kein Zelt brauchst.

Praktisch übernachtest du in der Abisko Turiststation direkt am Parkeingang oder im kleinen Ort Abisko Östra ein paar Kilometer weiter, beide mit eigener Bahnstation. Selbst wer keine mehrtägige Tour plant, findet leichte Rundwege: Der Weg entlang der Abiskojåkka-Schlucht, wo der Fluss türkis durch den Fels schießt, ist auch für Familien machbar. Nimm im Sommer Mückenschutz mit und im Winter deutlich mehr Kleidung, als dir die Ankunftstemperatur einreden will – am See weht es scharf.

Winteraktivitäten

Husky, Schneemobil und Rentierschlitten – Lappland im Winter aktiv

Zwischen zwei Nordlichtnächten füllt sich der Tag in Lappland mit Hundegebell, Motorenlärm und dem leisen Knirschen von Kufen auf Schnee.

Die Hundeschlittentour ist für viele der Höhepunkt der Reise. Auf den Farmen rund um Kiruna und Jukkasjärvi spannen die Musher acht bis zehn Huskys vor den Schlitten, erklären dir kurz Bremse und Anker, und dann geht es überraschend schnell und still durch verschneite Wälder – nur das Hecheln der Hunde und das Zischen der Kufen. Je nach Anbieter fährst du selbst oder sitzt eingepackt im Schlitten. Wichtig zu wissen: Die Hunde wollen laufen, sind laut vor dem Start und ruhig, sobald es losgeht. Warme Handschuhe und eine Skibrille gegen den Fahrtwind sind Gold wert.

Schneller und lauter geht es auf dem Schneemobil. Geführte Touren führen über zugefrorene Seen und durch die Fjäll zu Aussichtspunkten, oft mit einer Pause und heißem Getränk am Lagerfeuer. Für das Lenken eines eigenen Schneemobils brauchst du in Schweden einen gültigen Führerschein, und die Guides drosseln in der Gruppe das Tempo – wilde Raserei ist das nicht, dafür kommst du tief in Gegenden, die zu Fuß Stunden kosten würden. Wer sich das Steuern nicht zutraut, fährt als Beifahrer mit.

Ruhiger und kulturell dichter ist die Rentierschlittenfahrt bei einer samischen Familie. Rentiere ziehen langsamer als Huskys, dafür erzählen dir die Guides von der Rentierhaltung, den acht Jahreszeiten der Samen und dem Leben im Sápmi. Meist gehört ein Besuch am Feuer in der Kåta, dem traditionellen Zelt, dazu, mit Kaffee und geräuchertem Rentierfleisch. Achte darauf, Touren bei samisch geführten Betrieben zu buchen – so fließt das Geld an die Menschen, deren Kultur du hier kennenlernst.

Dazu kommen die stillen Aktivitäten, die keinen Motor brauchen. Eisfischen auf einem zugefrorenen See, bei dem du ein Loch bohrst und wartend in die Weite blickst; Schneeschuhwanderungen durch tief verschneiten Wald; oder eine Fahrt hinaus, nur um die Stille und den Sternenhimmel zu erleben. Fast alle Veranstalter stellen Thermoanzug, Stiefel und Handschuhe – nutze das, denn die eigene Skibekleidung reicht bei minus fünfundzwanzig Grad und stundenlangem Stillstehen oft nicht aus.

Rundreise & Orte

Rundreise durch Schwedisch Lappland in einer Woche

Lappland ist riesig und dünn erschlossen – eine gute Route setzt darum auf wenige Standorte statt täglichen Ortswechsel.

Die naheliegendste Winterroute braucht gar kein Auto. Du fliegst nach Kiruna, bleibst dort zwei, drei Nächte für Stadt, Erzmine und die Ausflüge nach Jukkasjärvi zum Icehotel und zu den Huskyfarmen. Dann setzt du dich in den Zug oder Bus nach Abisko und verbringst dort die restlichen Nächte mit dem Schwerpunkt Polarlichter, ergänzt um Schneeschuhtouren und die Aurora Sky Station. Zwei Standorte, kurze Wege, und trotzdem hast du das Beste der Region gesehen – ideal für einen ersten Winterbesuch von rund einer Woche.

Mit Mietwagen weitet sich der Radius. Von Kiruna aus lohnt ein Abstecher nach Süden über Gällivare nach Jokkmokk am Polarkreis, dem kulturellen Zentrum der schwedischen Samen mit dem Ájtte-Museum und dem großen Wintermarkt Anfang Februar. Weiter unten liegt Harads mit dem berühmten Treehotel, dessen Zimmer wie Vogelnest, Spiegelwürfel und Ufo in den Bäumen hängen. Rechne bei allen Etappen mit langen, einsamen Strecken, wenig Tankstellen und im Winter mit Spikereifen und früher Dunkelheit.

Im Sommer sieht die Route anders aus, denn dann steht das Wandern im Vordergrund. Der Klassiker ist die Nordetappe des Kungsleden von Abisko nach Nikkaluokta, gut hundert Kilometer über mehrere Tage mit Übernachtung in den Fjällhütten. Wer weniger Zeit hat, kombiniert Tagestouren rund um Abisko mit der Bergstation und einem Ausflug zum Kebnekaise-Basislager. Auch hier gilt: Anreise per Nachtzug bis Abisko, Wanderung, Rückfahrt – ganz ohne eigenes Fahrzeug machbar.

Ganz gleich zu welcher Jahreszeit: Unterschätze die Distanzen nicht und plane Pufferzeiten ein. Wetterumschwünge legen im Winter Straßen und mitunter Flüge lahm, und im Sommer können Bäche nach Regen anschwellen. Buche die zentralen Bausteine – Icehotel, Nordlichttour, Bergwerk, Fjällhütten – rechtzeitig vor, denn die Kapazitäten in dieser abgelegenen Region sind begrenzt und in der Hauptsaison schnell ausgereizt. Lieber weniger Ziele mit Ruhe als eine Hetzjagd durch den Norden.

Unterkünfte

Unterkünfte in Lappland – vom Icehotel bis zur Wildnishütte

Zwischen einer Nacht auf Rentierfellen bei minus fünf Grad im Eisraum und einer warmen Blockhütte am See liegt in Lappland die ganze Bandbreite.

Die spektakulärste Adresse ist das Icehotel in Jukkasjärvi. In den Kalträumen aus Eis und Schnee schläfst du bei rund minus fünf Grad in einem Spezialschlafsack auf einem Eisbett mit Rentierfellen – ein Erlebnis für eine, höchstens zwei Nächte, das man einmal gemacht haben will. Praktischerweise bucht man dazu meist eine warme Kammer für den Rest des Aufenthalts, denn Dusche und Frühstück liegen in beheizten Gebäuden. Das ganzjährig gekühlte Icehotel 365 erlaubt das Eiserlebnis sogar im Sommer. Günstig ist das nicht, dafür einzigartig.

Ähnlich außergewöhnlich, aber warm, ist das Treehotel in Harads weiter südlich: eine Handvoll von Architekten gestalteter Baumzimmer, die als Spiegelwürfel, Vogelnest oder Ufo in den Kiefern hängen. Auch das ist eine Design-Erfahrung mit entsprechendem Preis, eher für ein, zwei besondere Nächte als für die ganze Reise. Beide Häuser buchst du am besten Monate im Voraus, gerade für die Wintersaison rund um die Polarlichter.

Für den Alltag der Reise sind Hotels und Gästehäuser in Kiruna sowie die Abisko Turiststation die bodenständige Wahl. Sie liegen verkehrsgünstig, bündeln Touren, Verleih und Verpflegung und sind auch im tiefsten Winter verlässlich warm und gut organisiert. In Abisko wohnst du direkt am Nationalparkeingang und kannst abends ohne Fahrt hinaus ins Dunkel zum Nordlichtschauen. Wer es einfacher mag, findet Hostels und Zimmer mit Gemeinschaftsküche, was in einem teuren Land spürbar Budget spart.

Wer die Wildnis sucht, übernachtet in den Fjällhütten des Schwedischen Touristenvereins entlang des Kungsleden oder in einsamen Blockhütten am See. Die Hütten sind schlicht – Etagenbetten, Holzofen, oft kein fließend Wasser und kein Strom –, dafür stehst du morgens allein in der Fjällweite. Für Familien und alle, die es komfortabler mögen, gibt es rund um Kiruna und Jukkasjärvi zudem Ferienhäuser und Wildnis-Lodges mit Sauna am gefrorenen Fluss. Frag bei jeder Buchung, ob Transfer, Bettwäsche und Verpflegung enthalten sind – in dieser Abgeschiedenheit ist beides nicht selbstverständlich.

Ferienhäuser & Villen mit Pool

Die beliebteste Wahl in der Region — privates Ferienhaus oder Villa mit Pool, oft mitten in den Weinbergen.

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Agriturismi & Weingüter

Urlaub auf dem Land: übernachten auf einem Weingut oder Bauernhof, mit Wein und Öl aus eigener Ernte.

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Essen & Trinken

Essen und Trinken in Lappland

Die Küche des Nordens kommt aus dem, was Fjäll, Fluss und Herde hergeben – Rentier, Beeren und Fisch aus kaltem Wasser.

Im Mittelpunkt steht das Rentier. Renskav, dünn gehobeltes Rentierfleisch, kurz gebraten und mit Preiselbeeren und Kartoffelpüree serviert, ist das Alltagsgericht schlechthin und steht von der einfachen Gaststube bis zur Lodge auf der Karte. Daneben gibt es Suovas, über Birkenholz kalt geräuchertes und dann gebratenes Rentierfleisch, oft im dünnen Fladenbrot als warmer Snack am Feuer. Wer die samische Küche verstehen will, isst genau das – Fleisch von Tieren, die frei im Fjäll geweidet haben, verwertet fast vollständig.

Aus den kalten Seen und Flüssen kommt der Fisch. Röding, der Saibling, und Sik, die Maräne, werden geräuchert, gebraten oder als Suppe serviert; im Sommer fängt man sie selbst beim Angeln, im Winter beim Eisfischen. Dazu die Beeren, die den kurzen arktischen Sommer überdauern: Preiselbeeren zu fast allem Herzhaften und vor allem die Moltebeere, hjortron, jene seltene orangegoldene Beere aus den Mooren, die als Marmelade zu warmem Käse oder über Eis ein kleiner Luxus ist. Ihr Geschmack ist unverwechselbar und teuer bezahlt.

Rund um Kaffee und Pause hat der Norden eigene Rituale. Die Schweden zelebrieren die Fika, die bewusste Kaffeepause mit etwas Süßem wie Zimtschnecken, und in samischem Kontext begegnet dir der Kaffeekäse: Würfel eines festen Käses werden in den heißen Kaffee gelegt, wo sie weich werden und ihn cremig machen. Getrunken wird sonst, was ganz Schweden trinkt – Alkohol ist streng reguliert und außer schwachem Bier nur im staatlichen Systembolaget zu kaufen, dessen Öffnungszeiten du im abgelegenen Norden besser vorher prüfst.

Praktisch gilt: Auswärts essen ist in Schweden nicht billig, und im dünn besiedelten Norden sind die Möglichkeiten begrenzt. Viele Lodges und Hütten bieten Halbpension, was sich lohnt, weil das nächste Restaurant weit weg sein kann. Wer selbst kocht, deckt sich in den Supermärkten von Kiruna oder Gällivare ein, bevor es in die Fjäll geht. Und ein Tipp gegen die Kälte von innen: Ein Thermosbecher mit heißem Saft oder Kaffee gehört bei jeder Wintertour ins Gepäck – oft reicht ein Anbieter ihn beim Feuerstopp selbst herum.

Anreise & Mobilität

Anreise nach Lappland – mit dem Flug nach Kiruna oder dem Nachtzug

Vom Flughafen München sitzt du in einem halben Tag im Schnee von Kiruna – wenn du in Stockholm den Anschluss erwischst.

Am schnellsten reist du mit dem Flugzeug an. Direktflüge aus Deutschland in den hohen Norden gibt es kaum, üblich ist die Verbindung über Stockholm: von dort in gut anderthalb Stunden weiter zum Flughafen Kiruna (KRN), der nur rund fünfzehn Minuten außerhalb der Stadt liegt. Auch die Küstenstadt Luleå weiter südlich ist ein guter Einstiegspunkt mit Flughafen, von dem aus du Harads mit dem Treehotel und Jokkmokk erreichst. Buche die Anschlüsse mit genug Puffer, denn im Winter sind Verspätungen durch Wetter keine Seltenheit.

Die stimmungsvollere Alternative ist der Nachtzug. Von Stockholm rollt der Zug über Nacht in gut siebzehn Stunden nach Norden, hält in Kiruna und Abisko und fährt weiter bis Narvik an der norwegischen Küste – über eben jene Erzbahn, die einst für den Abtransport des Eisenerzes gebaut wurde. Im Schlafwagen legst du dich abends in Mittelschweden hin und wachst in der verschneiten Fjällwelt auf. Es ist langsamer als der Flug, aber ein Erlebnis für sich und obendrein klimafreundlicher.

Vor Ort kommst du zwischen den Hauptorten erstaunlich gut ohne Auto zurecht. Die Bahnlinie verbindet Kiruna und Abisko, und fast alle Aktivitätsanbieter holen dich an der Unterkunft ab und bringen dich zurück. Für eine reine Winterreise mit Standort in Kiruna und Abisko brauchst du in der Regel kein eigenes Fahrzeug – das spart dir das Fahren auf schneeglatten, dunklen Straßen und die Sorge ums Anlassen bei tiefem Frost.

Wer dagegen Dörfer, Fjäll und abgelegene Farmen auf eigene Faust erkunden will, mietet einen Wagen – dann aber vorbereitet. Im Winter sind Spikereifen Pflicht und montiert, die Tanks solltest du früh füllen, weil Stationen weit auseinanderliegen, und viele Mietwagen haben eine Motorvorwärmung, deren Kabel du nachts einstöpselst. Rechne mit kurzen Tagen: Im Dezember steht die Sonne kaum über dem Horizont, gefahren wird viel im Dunkeln. Fahr defensiv, halte Abstand zu Rentieren am Straßenrand und plane großzügig Zeit ein.

Mietwagen

Die schönsten Orte liegen abseits von Bahn und Bus — mit dem Mietwagen bist du flexibel.

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Samische Kultur

Samische Kultur und der Wintermarkt von Jokkmokk

Lappland ist Sápmi – Heimat der Samen, des einzigen indigenen Volkes der Europäischen Union, das hier seit Jahrtausenden mit den Rentieren lebt.

Bevor es Grenzen und Bergwerke gab, war dieses Land Sápmi, das Siedlungsgebiet der Samen, das sich über Nordschweden, Norwegen, Finnland und Russland spannt. Die Samen sind das indigene Volk des europäischen Nordens, mit eigener Sprache, eigener Flagge und einer Kultur, die eng an die Rentierhaltung geknüpft ist. Nicht alle Samen sind Rentierzüchter, aber die halbnomadische Wanderung der Herden zwischen Sommer- und Winterweiden prägt bis heute das Bild und die Rechtslage im Norden. Ihre Zeitrechnung kennt acht Jahreszeiten statt vier – am Rhythmus der Rentiere ausgerichtet.

Das kulturelle Zentrum der schwedischen Samen ist Jokkmokk direkt am Polarkreis. Hier steht das Ájtte, das Museum für samische Kultur und die Fjällwelt, das einen fundierten und unkitschigen Einstieg in Geschichte, Kunsthandwerk und Alltag bietet. Wer die Region ernsthaft verstehen will, beginnt hier – mit den Duodji genannten Handwerkstraditionen, mit der Bedeutung des Rentiers und mit der oft schwierigen Geschichte zwischen samischer Bevölkerung und schwedischem Staat, die bis in die Gegenwart nachwirkt.

Der Höhepunkt des Jahres ist der Wintermarkt von Jokkmokk, der Jokkmokks marknad, der jedes Jahr Anfang Februar über 400 Jahre Tradition fortführt. Seit dem frühen 17. Jahrhundert treffen sich hier Menschen zum Handeln, Feiern und Wiedersehen; heute drängen sich Tausende Besucher bei oft klirrender Kälte durch Marktstände mit Kunsthandwerk, Rentierprodukten und Musik. Es ist einer der wenigen Momente, in dem sich die weit verstreute Bevölkerung des Nordens an einem Ort bündelt – Unterkünfte in und um Jokkmokk sind zu dieser Zeit lange im Voraus ausgebucht.

Als Reisender kannst du der Kultur mit Respekt begegnen, statt sie nur zu konsumieren. Buche Rentier- und Kåta-Erlebnisse bei samisch geführten Betrieben, damit die Wertschöpfung bei den Menschen bleibt; frag, bevor du Menschen oder Herden fotografierst; und kauf Kunsthandwerk direkt bei den Machern statt billige Kopien. Die traditionelle Tracht, der Gákti, und der kehlige Gesang, der Joik, sind lebendige Ausdrucksformen, keine Folklore für Touristen – wer das im Kopf behält, bekommt einen ehrlicheren Einblick in das Leben im Norden.

Beste Reisezeit & Wetter

Beste Reisezeit für Lappland zwischen Nordlicht und Mitternachtssonne

Lappland hat nicht eine, sondern zwei Hochsaisons – und dazwischen liegen Wochen, in denen wenig geht.

Das Klima in Schwedisch Lappland ist subarktisch: lange, sehr kalte Winter und kurze, milde Sommer mit riesigen Unterschieden bei Tageslicht und Temperatur. Die Werte unten gelten für Kiruna. Zwei Zeiträume lohnen besonders – der Winter von Ende Dezember bis März für Nordlicht, Schnee und Winteraktivitäten, und der Hochsommer von Juni bis August für Mitternachtssonne und Wandern. Die Übergangszeiten im April/Mai und Oktober/November sind mit Tauwetter, wenig Schnee oder kurzen Tagen ohne echte Wintersubstanz eher schwierig.

Jan-8°-16°Polarnacht, sehr kalt
Feb-7°-16°Nordlicht, Jokkmokk-Markt
Mär-3°-13°Nordlicht, mehr Licht
Apr2°-6°Schnee schwindet
Mai8°0°Übergang, kahl
Jun15°6°Mitternachtssonne
Jul18°9°Wandern, Mücken
Aug15°7°Beeren, warm
Sep9°3°Herbstfarben, Nordlicht kehrt zurück
Okt1°-3°dunkel, wenig Schnee
Nov-5°-10°Winter beginnt
Dez-7°-14°Polarnacht, festlich

Beste Reisezeit · Balken = Tageshöchstwert

Für Nordlicht, Hundeschlitten und den Wintermarkt in Jokkmokk sind Februar und März am stärksten: verlässlicher Schnee, klare Nächte und schon wieder spürbar längere Tage als im dunklen Dezember. Für Mitternachtssonne und Wandern auf dem Kungsleden nimmst du Juni bis August, wobei im Juli die Mücken lästig werden. Der September verbindet Herbstfarben mit der zurückkehrenden Aurora. Die Wochen im Mai und Oktober überspringst du besser – zu wenig Schnee für Winter, zu kahl für Sommer.

Gut zu wissen

Häufige Fragen zu Lappland

Wann ist die beste Reisezeit für Lappland?
Es gibt zwei: Februar und März für Nordlicht, Schnee und Winteraktivitäten, sowie Juni bis August für Mitternachtssonne und Wandern. Der September verbindet Herbstfarben mit erster Aurora. Die Übergangsmonate Mai und Oktober bieten weder verlässlichen Schnee noch grünen Sommer.
Wie stehen die Chancen, Polarlichter zu sehen?
In der Saison von Mitte September bis Ende März gut, besonders in Abisko mit seinem oft klaren Himmel. Garantiert ist das Nordlicht aber nie, weil es dunklen Himmel und aktive Sonnenwinde zugleich braucht. Plane mindestens drei bis vier Nächte ein, um die Chance auf eine klare Nacht zu erhöhen.
Wie kalt wird es in Lappland im Winter?
In Kiruna liegen die Tageswerte im Hochwinter meist bei minus 10 bis minus 20 Grad, in klaren Nächten sind minus 30 Grad möglich. Mit Zwiebelkleidung, dicken Winterstiefeln und den von Veranstaltern gestellten Thermoanzügen lässt sich die Kälte gut aushalten.
Braucht man in Lappland ein Auto?
Für eine Winterreise mit Standort Kiruna und Abisko nicht: Die Bahn verbindet beide Orte, und Aktivitätsanbieter holen dich ab. Wer abgelegene Dörfer und Farmen selbst erkunden will, mietet einen Wagen mit Spikereifen und sollte sich auf lange, einsame und im Winter dunkle Strecken einstellen.
Wie kommt man nach Kiruna?
Am schnellsten per Flug über Stockholm zum Flughafen Kiruna (KRN), rund fünfzehn Minuten außerhalb der Stadt. Alternativ fährt der Nachtzug von Stockholm in gut siebzehn Stunden über Kiruna und Abisko bis Narvik in Norwegen – langsamer, dafür ein Erlebnis und klimafreundlicher.
Was ist der beste Ort für Polarlichter in Schwedisch Lappland?
Abisko am Torneträsk-See gilt als einer der weltweit verlässlichsten Plätze, weil die Berge im Westen die Wolken abhalten und über dem Ort oft ein klarer Fleck Himmel steht. Von der Aurora Sky Station über dem See beobachtest du das Nordlicht fern jeder Lichtverschmutzung.
Wann scheint in Lappland die Mitternachtssonne?
In Kiruna geht die Sonne von etwa Ende Mai bis Mitte Juli nicht unter, das sind rund 50 Tage Mitternachtssonne. Dann kannst du rund um die Uhr wandern und paddeln, solltest aber eine Schlafmaske einpacken – nachts wird es nicht dunkel, was den Schlaf stören kann.
Wie viele Tage sollte man für Lappland einplanen?
Für einen ersten Winterbesuch mit Kiruna und Abisko rechne mit etwa einer Woche, damit du genug Nächte für die Nordlichtchance und Zeit für Touren hast. Wer den Kungsleden wandern oder eine größere Runde mit Mietwagen fahren will, plant eher zehn bis vierzehn Tage.
Kann man im Icehotel Jukkasjärvi übernachten?
Ja. In den Kalträumen schläfst du bei rund minus fünf Grad im Spezialschlafsack auf einem Eisbett mit Rentierfellen – meist für eine Nacht, kombiniert mit einer warmen Kammer für den Rest. Das ganzjährig gekühlte Icehotel 365 macht das Eiserlebnis sogar im Sommer möglich.
Ist Lappland als Reiseziel teuer?
Schweden ist generell nicht günstig, und geführte Wintertouren mit Guide, Ausrüstung und Transfer haben ihren Preis. Sparen kannst du mit Nachtzug statt Flug, Hostels und Selbstverpflegung sowie der Nebensaison. Bezahlt wird fast überall bargeldlos mit Karte, Bargeld brauchst du kaum.
Was kann man in Lappland im Sommer machen?
Im Sommer stehen Wandern auf dem Kungsleden, Touren rund um Abisko und den Kebnekaise, Kanufahren und Angeln unter der Mitternachtssonne im Vordergrund. Statt Nordlicht erlebst du taghelle Nächte, blühende Fjäll und lange Tage – dafür solltest du im Juli auf Mücken vorbereitet sein.
Wer sind die Samen und wo lernt man ihre Kultur kennen?
Die Samen sind das indigene Volk des europäischen Nordens, das hier seit Jahrtausenden mit den Rentieren lebt. Einen guten Einstieg bietet das Ájtte-Museum in Jokkmokk und der große Wintermarkt Anfang Februar. Buche Rentier-Erlebnisse bei samisch geführten Betrieben, um die Kultur respektvoll kennenzulernen.
LapplandGanz im Norden Schwedens, jenseits des Polarkreises, liegt ein Land aus Fjäll, Rentierpfaden und Winterhimmeln, über die das Nordlicht zieht.
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