Europas beliebteste Reiseziele wehren sich. Im Sommer 2026 prägen volle Altstädte, Proteste in Dutzenden Städten, neue Eintrittsgebühren und kräftig steigende Touristensteuern die Schlagzeilen. „Overtourism" ist längst kein Schlagwort mehr, sondern Reisealltag – mit handfesten Folgen für deine Urlaubskasse und deine Planung. Wir zeigen, wo es brodelt, was teurer wird und wie du dem Trubel entkommst.
Proteste in Südeuropa: Wo es diesen Sommer brodelt

Den lautesten Widerstand gibt es in Spanien. Das Land verzeichnete 2025 fast 97 Millionen internationale Gäste – und in über 40 Städten formiert sich Protest, von Barcelona über Palma bis zu den Kanaren. Die Demonstrationen richten sich weniger gegen einzelne Urlauber als gegen die Folgen des Booms: explodierende Mieten, verdrängte Anwohner und überlaufene Viertel.
Für Mitte Juni 2026 waren in mehreren südeuropäischen Städten koordinierte Aktionen angekündigt, unter anderem in Barcelona, Venedig, Lissabon und auf den Kanaren. Die meisten Proteste verlaufen friedlich und werden vorab angekündigt – ein Grund zur Aufmerksamkeit, aber kein Grund, die Reise abzusagen.
Die neue Touristensteuer-Landkarte
Der spürbarste Effekt für Reisende sind die Abgaben. Auf Mallorca und den Balearen liegt die Touristensteuer in der Hauptsaison je nach Unterkunft zwischen rund 1,10 und 4,40 Euro pro Person und Nacht; ab der neunten Nacht halbiert sie sich. Barcelona hat seine städtische Abgabe erhöht – in Spitzenhotels werden inzwischen bis zu 7 Euro pro Nacht fällig.
Auch im Norden wird es teurer: Amsterdam verlangt mit 16 Prozent die höchste Touristensteuer Europas, zusätzlich steigt in den Niederlanden die Mehrwertsteuer auf Übernachtungen von 9 auf 21 Prozent. Und wer mit dem Kreuzfahrtschiff nach Griechenland kommt, zahlt in der Hauptsaison 20 Euro pro Person für einen Landgang auf Santorin oder Mykonos.
Venedig macht ernst: Eintritt für Tagestouristen

Venedig geht noch einen Schritt weiter und verlangt von Tagesgästen Eintritt. 2026 wird die Zugangsgebühr auf 60 Tage ausgeweitet – an Wochenenden von Anfang April bis Ende Juli sowie in mehreren zusätzlichen Wochen. Wer sich mehr als vier Tage im Voraus anmeldet, zahlt 5 Euro; kurzfristig werden 10 Euro fällig.
Die Gebühr gilt zwischen 8:30 und 16:00 Uhr und betrifft nur die historische Altstadt – die kleineren Inseln der Lagune sind 2026 ausgenommen. Wer ohnehin in Venedig übernachtet, ist nicht betroffen: Die Maßnahme zielt gezielt auf die Masse der Tagestouristen.
Schluss mit Ferienwohnungen: Barcelona zieht die Reißleine

Beim Thema Wohnraum greifen die Städte am härtesten durch. Barcelona will bis 2028 sämtliche rund 10.000 lizenzierten Ferienwohnungen aus dem Markt nehmen: Bestehende Lizenzen werden nicht verlängert, neue nicht erteilt. In ganz Spanien verschärft sich der Ton – im Frühjahr 2026 verhängte ein Gericht eine Strafe von 64 Millionen Euro gegen Airbnb wegen zehntausender nicht regelkonformer Inserate.
Für Reisende heißt das vor allem eines: Das Angebot an Kurzzeit-Unterkünften in den Hotspots schrumpft, und die Preise dürften weiter anziehen. Wer eine Ferienwohnung bucht, sollte auf eine gültige Lizenznummer achten – illegale Inserate können kurzfristig offline gehen.
Was das für deine Reise bedeutet

Zum Schwarzmalen besteht kein Anlass – aber ein paar Dinge solltest du einplanen. Erstens: Rechne die Touristensteuer fest ins Budget ein; bei einer Familie über zwei Wochen kommen schnell dreistellige Beträge zusammen, die oft erst vor Ort fällig werden. Eine gute Reise-Kreditkarte spart dir dabei die Auslandseinsatz- und Fremdwährungsgebühren, die bei Zahlungen vor Ort sonst zusätzlich anfallen.
Zweitens: Weiche dem Trubel aus. Wer in der Nebensaison reist oder statt der überlaufenen Metropolen kleinere Städte und Regionen ansteuert, erlebt nicht nur mehr Ruhe, sondern zahlt häufig auch deutlich weniger – ein Trend, der 2026 als „Slow Travel" und „Secondary Cities" boomt.
Fazit
Europa schließt nicht seine Tore – aber die Spielregeln ändern sich. Höhere Steuern, Eintrittsgebühren und schärfere Regeln für Ferienwohnungen sind die neue Normalität in den großen Hotspots. Wer das einplant, flexibel bucht und dem Mainstream ausweicht, reist 2026 entspannter, günstiger und fairer gegenüber den Menschen, die in diesen Städten leben.



