Set-Jetting ist ein weltweiter Reisetrend, bei dem Fans gezielt die Drehorte ihrer Lieblingsfilme und -serien besuchen, um die Kulissen, Landschaften und Locations aus der Fiktion im echten Leben zu erleben. Der Begriff setzt sich aus „Set" (Filmset) und „Jetting" (Reisen per Flugzeug) zusammen und beschreibt eine Form des Erlebnisreisens, die durch Streaming-Plattformen wie Netflix, Disney+ und HBO einen enormen Schub erhalten hat. Anders als klassischer Kulturtourismus steht beim Set-Jetting das emotionale Wiedererkennen im Vordergrund – der Moment, an dem eine reale Straße oder Landschaft plötzlich wie eine Szene aus dem Bildschirm wirkt.
Warum das für Reisende wichtig ist
Streaming-Dienste haben das Reiseverhalten messbar verändert: Serien wie „Emily in Paris" lösten einen regelrechten Ansturm auf bestimmte Pariser Arrondissements aus, „The White Lotus" befeuerte den Sizilien-Tourismus und „Game of Thrones" verwandelte Dubrovnik dauerhaft in ein Pilgerort für Serienfans. Set-Jetting schafft eine persönliche Verbindung zu einem Reiseziel, noch bevor man es betreten hat – durch die Erzählung, die Figuren und die Atmosphäre der Produktion. Für Reisende bedeutet das: ein vorhandener emotionaler Kontext, der die Reise mit Bedeutung auflädt. Für Destinationen wiederum ist es ein mächtiges Marketinginstrument, das ganze Regionen auf die Landkarte setzt.
Set-Jetting lässt sich gut mit dem Konzept der Hyperlokalität beim Reisen verbinden: Wer nicht nur die berühmteste Sehenswürdigkeit abarbeiten, sondern die genaue Gasse, den exakten Aussichtspunkt oder das originale Café aus einer Szene finden möchte, taucht tiefer in lokale Strukturen ein als ein klassischer Tourist.
In der Praxis
Set-Jetting-Ziele sind weltweit verteilt und oft überraschend. Die Frage „Wo wurde der Film gedreht?" hat heute eine eigene Reiseindustrie ausgelöst. Einige der bekanntesten Beispiele:
- Neuseeland wurde durch die „Herr der Ringe"-Trilogie zur Pilgerstätte für Fantasy-Fans. Die Hobbiton-Filmsets in Matamata sind heute offiziell geführte Tourismusattraktionen.
- Schottland profitiert von Serien wie „Outlander": Schlösser, Hochmoore und Clans-Schauplätze rund um Doune Castle oder die Cairngorms ziehen eine treue Fangemeinde an.
- Almería in Spanien gilt als unbekannte Set-Jetting-Perle – hier wurden unzählige Westernklassiker und internationale Produktionen gedreht, was die Region zu einem Ziel für Filmgeschichte-Fans macht.
- Derry in Nordirland ist für Fans des Horrorfilms „Es" von Bedeutung: Obwohl die Verfilmungen von 2017 und 2019 größtenteils in Port Hope, Ontario (Kanada), gedreht wurden, pilgern Fans auch in die fiktive Vorlage-Stadt aus Stephen Kings Roman.
- Cornwall und die Cotswolds in England sind durch Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen bekannt – die fürs ZDF produzierten Filme entstehen zu großen Teilen tatsächlich vor Ort in Cornwall, was die Region für deutschsprachige Fans besonders attraktiv macht.
Auch BookTok-Reisen überschneiden sich mit Set-Jetting, wenn literarische Vorlagen verfilmt werden und Fans sowohl Buch- als auch Drehorte aufsuchen.
Worauf du achten solltest
Set-Jetting klingt romantisch – birgt aber einige praktische Fallstricke, die Reisende kennen sollten.
Der größte ist Overtourism: Wenn eine Serie viral geht, können Drehorte innerhalb weniger Monate von Massen überlaufen werden. Dubrovnik etwa kämpft seit „Game of Thrones" mit dauerhafter Überlastung seiner Altstadt. Ähnliches gilt für die „Emily in Paris"-Drehorte im Marais-Viertel oder die Treppe am Montmartre.
Ein weiteres Problem ist die Diskrepanz zwischen Fiktion und Realität: Viele Produktionen drehen an mehreren Orten gleichzeitig oder nutzen CGI, um Kulissen zu ergänzen. Die „Stadt" in einer Serie kann also aus Szenen bestehen, die in Madrid, Budapest und einer Studiokulisse in Los Angeles entstanden sind. Wer die genauen Drehorte recherchieren möchte, findet auf spezialisierten Plattformen wie Movie Maps oder der Internet Movie Database (IMDb) verlässliche Informationen.
Zudem sollten Reisende bedenken, dass manche Sets Privatgelände sind oder nur im Rahmen offizieller Touren betreten werden dürfen.
Tipps für deine Set-Jetting-Reise
- Recherchiere Drehorte vorab über IMDb, Movie Maps oder offizielle Tourismus-Websites der Zielregion
- Plane außerhalb der Hauptsaison, um Overtourism an beliebten Orten zu entgehen
- Kombiniere Set-Jetting mit lokalen Erlebnissen, um über reine Fototourismus hinauszugehen
- Nutze geführte Film-Touren vor Ort – sie liefern Hintergrundwissen, das den Besuch vertieft
- Prüfe, welche Szenen tatsächlich vor Ort und welche im Studio entstanden sind, um Enttäuschungen zu vermeiden
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