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Ein Panoramawagen ist ein spezieller Reisezugwagen mit außergewöhnlich großen Fenstern bis ins Dach, die dir einen optimalen Blick auf vorbeiziehende Landschaften bieten.
Panoramawagen sind die Erste-Klasse-Variante unter den Reisezugwagen – speziell konstruiert, damit du während der Fahrt möglichst viel von der Landschaft siehst. Die überdimensionalen Fenster reichen oft bis zur Dachkante, manchmal sogar darüber hinaus. Der Fußboden liegt höher als in normalen Waggons, was dir einen logenhaften Rundumblick verschafft. Besonders in der Schweiz sind diese Aussichtswagen legendär: Im Glacier Express oder Bernina Express genießt du Alpenpanoramen durch riesige Glasflächen, während du entspannt in deinem Sitz lehnst.
Die Idee stammt ursprünglich aus Nordamerika, wo sogenannte Dome Cars mit halbkugelförmigen Kuppeln fuhren. Europa – vor allem die Schweiz – entwickelte daraus eigene Konzepte mit durchgehenden Panoramafenstern. Heute findest du solche Wagen hauptsächlich auf touristisch attraktiven Strecken, wo sich der Mehraufwand für die aufwendige Konstruktion lohnt.
Die markantesten Merkmale sind die großen, oft leicht gebogenen Fenster, die deutlich höher reichen als bei Standardwaggons. In vielen Panoramawagen der SBB (Schweizer Bundesbahnen) erstrecken sich die Glasflächen praktisch vom Fußboden bis knapp unters Dach. Der erhöhte Boden sorgt dafür, dass dein Blick über Lärmschutzwände und andere Hindernisse hinweggeht – ähnlich wie in einer Theaterloge.
Typischerweise findest du eine 2+1-Bestuhlung in der 1. Klasse: Zwei Sitze auf der einen Seite des Gangs, ein einzelner Sitz auf der anderen. Die Sitze stehen sich oft gegenüber (vis-à-vis), damit Gruppen bequem zusammensitzen können. Klimaanlage, WC und teils sogar WLAN gehören zur Standardausstattung. Bei modernen Modellen wie denen im Bernina Express gibt's zusätzlich InfoTainment-Systeme mit Streckenerklärungen.
Die riesigen Scheiben stellen besondere Anforderungen an die Konstruktion. Panoramawagen sind empfindlicher bei Druckschwankungen (etwa in Tunneln) und Temperaturdifferenzen. Deshalb darfst du sie nicht in jedem Zugverband einsetzen – Wendezugbetrieb ist oft ausgeschlossen. Die SBB-Panoramawagen (Gattung Apm 61 Pano) sind RIC-fähig, also international einsetzbar, und schaffen Geschwindigkeiten bis 200 km/h. Gepäck verstaust du nicht über den Sitzen, sondern in speziellen Regalen an den Wagenenden, damit die großen Fenster frei bleiben.
Die Schweiz ist das Paradies für Panoramawagen-Fans. Der Glacier Express zwischen St. Moritz und Zermatt durchquert in acht Stunden 291 Brücken und erreicht am Oberalppass 2.033 Meter Höhe – durchgehend in Panoramawagen der 1. und 2. Klasse. Die Excellence Class bietet dir sogar nur 20 exklusive Fensterplätze mit 5-Gänge-Menü, Concierge und Bar-Zugang.
Der Bernina Express der Rhätischen Bahn fährt von Chur oder St. Moritz nach Tirano in Italien – vorbei an 196 Brücken, durch 55 Tunnel und über den Berninapass auf 2.253 Metern. Die modernen Panoramawagen bieten 28 Plätze in der 1. Klasse und 43–51 Plätze in der 2. Klasse, komplett mit Klimaanlage und WLAN. Der Gotthard Panorama Express kombiniert von April bis Oktober Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee mit einer Zugfahrt über die historische Gotthardbergstrecke – inklusive Fotowagen mit öffenbaren Fenstern.
Bei der Deutschen Bahn gibt es im Regelverkehr keine echten Panoramawagen mehr. Bis Juli 2024 liefen SBB-Panoramawagen im EC 8/9 zwischen Zürich und Hamburg mit – besonders beliebt auf der landschaftlich reizvollen Rheinstrecke zwischen Koblenz und Mainz. Diese Wagen (Nr. 263 und andere) boten 54 Sitze in 1. Klasse-Bestuhlung, wurden aber wegen Sanierungsarbeiten aus dem Verkehr gezogen.
Was du im ICE findest, ist die sogenannte Panorama-Lounge: 8–12 Sitzplätze direkt hinter dem Führerstand in ICE 3 und ICE T mit Blick nach vorne oder hinten auf die Strecke. Allerdings schaltet der Lokführer die Glasscheibe zum Führerstand meist milchig (Datenschutz und Ablenkungsvermeidung), sodass du oft nur eingeschränkte Sicht hast. Historisch gab es die DB-Panoramawagen AD4üm-62 für den legendären TEE Rheingold (1962/63) mit erhöhter Aussichtskanzel nach amerikanischem Vorbild – heute nur noch als Charterzüge unterwegs.
Für den Glacier Express gehst du auf glacierexpress.ch, wählst deine Klasse (2. Klasse, 1. Klasse oder Excellence Class), gibst Start- und Zielbahnhof sowie Reisedatum ein. Im Sitzplan kannst du dann gezielt deinen Fensterplatz auswählen – die Sitzplatzreservierung ist obligatorisch und kostet zusätzlich zum Fahrschein. Tickets buchst du bis zu sechs Monate im Voraus, Reservierungen für 1. und 2. Klasse ab 93 Tage vor Abfahrt, Excellence Class für die gesamte Fahrplanperiode.
Die Preise setzen sich zusammen: Für die Strecke Zermatt–St. Moritz zahlst du in der 2. Klasse ab 160 CHF (Fahrpreis 106–272 CHF plus 54 CHF Reservierung), in der 1. Klasse ab 196 CHF, Excellence Class ab 628 CHF mit Vollverpflegung. Mit der Swiss Half Fare Card sparst du 50 Prozent auf den Fahrpreis. Interrail- oder Swiss Travel Pass-Inhaber zahlen nur die Reservierungsgebühr. Wichtiger Tipp: Auf der linken Seite in Fahrtrichtung Lugano sitzt du beim Gotthard Panorama Express besser – dort hast du die spektakulärsten Ausblicke auf die Gotthardbergstrecke.
Ein normaler Waggon hat Standard-Seitenfenster und einen normalen Fußboden. Panoramawagen bieten deutlich größere, teils bis ans Dach reichende Fenster und einen höhergelegten Fußboden für besseren Rundumblick. Sie werden meist als 1.-Klasse-Komfortprodukt genutzt mit besonders ruhiger Atmosphäre – oft gibt's im gleichen Zugverband noch einen Bar- oder Speisewagen. Technisch sind sie wegen der großen Scheiben empfindlicher für Druck, Temperatur und Pendelzugbetrieb, weshalb spezielle Einsatzeinschränkungen gelten.
Während du im Glacier Express acht Stunden lang durch vergletscherte Täler und über Alpenpässe fährst, erlebst du im Gotthard Panorama Express die Kombination aus Schifffahrt und historischer Bergstrecke – beide mit Panoramawagen, aber unterschiedlichen Routen und Schwerpunkten. Nordamerikanische Dome Cars mit ihren halbkugelförmigen Kuppeln sind übrigens noch spektakulärer, aber auch langsamer (maximal 160 km/h) und für breitere Gleisprofile gebaut.
Wenn du eine unvergessliche Zugreise planst, lohnt sich die Investition in einen Panoramawagen allemal. Die Ausblicke auf Matterhorn, Rheinschlucht oder italienische Palmenriviera bekommst du nirgendwo sonst so komfortabel serviert. Schau dir auch die weiteren Schweizer Panoramazüge an – etwa den GoldenPass Express oder die Mariazellerbahn in Österreich mit ihrem exklusiven Frühstücksservice. Und falls du noch Fragen zur Buchung oder zu den besten Sitzplätzen hast, helfen dir die Infos in den FAQs weiter.